Montag, 28. November 2011

Bald schon ist Weihnachtszeit ...

Gestern wurde ich plötzlich daran erinnert, dass der erste Advent ist, was für mich völlig überraschend kam. Erster Advent, wie bitte was? Ihr wollt mich doch verarschen ...
... aber dieses Gefühl habe ich sowieso die ganze Zeit. In wenigen Tagen ist Dezember und Weihnachten rückt immer näher, was auch die Kinder schon feststellten mit der Aussage, es fängt bald an zu regnen, bald ist Weihnachten!
Bei ewig strahlendem Sonnenschein und im T-Shirt draußen fällt es mir bloß ein wenig schwer, das zu glauben. Ich verliere hier jegliches Gespür für Jahreszeiten. Aber doch, die Zeichen sind eindeutig - die Supermärkte sind weihnachtlich dekoriert und auch in Arequipa kann man bereits Weihnachts-Deko finden.
Und das ist etwas, was mich gewaltig stört. Denn welche Deko ist das wohl - Rentiere, ein Weihnachtsmann auf dem Schlitten, Tannenbäume. Dabei gibt es hier nicht einmal Schnee!!
Das ist so absurd, weil es so typisch westlich und so untypisch peruanisch ist. Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass ich "Last Christmas" noch nicht im Radio gehört habe, aber ich möchte das jetzt auch nicht unbedingt heraufbeschwören.
Genauso habe ich das Gefühl, dass sich jetzt, wo es wirklich auf Weihnachten zugeht, die Spenden in der Aldea häufen. Nicht dass es an sich etwas Schlechtes wäre, aber es ist ja nicht so, dass die Kinder nur Weihnachten in der Aldea leben und für den Rest des Jahres keine Unterstützung brauchen ... aber gut, ich versteh das schon, zu Weihnachten muss man sich ja ein wenig ein gutes Gewissen spenden und anschließend in seine Nestlé/Milka/Lindt/wasauchimmer-Schokolade beißen, die schließlich bekanntermaßen auch für die reinste Nächstenliebe steht. Lang lebe die Globalisierung oder so.

Donnerstag, 17. November 2011

Abwechslung

Ich muss sagen, mir fällt es immer schwerer, etwas in den Blog zu schreiben - das liegt nicht daran, dass nicht so viel passiert, wenn ich wollte, könnte ich sicher täglich schreiben und von vielen Kleinigkeiten, die irgendwie auch gar nicht so klein und unbedeutend sind, erzählen. Aber das ist für mich mittlerweile schon so alltäglich, dass ich mir komisch dabei vorkomme, es hier zu schreiben.
Die letzten zwei Tage waren allerdings so gar nicht alltäglich.
Gestern sollten wir Kalender der Aldea an einer der Unis Arequipas verkaufen, "un sol, con beso dos soles" (ein Sol, mit Kuss zwei). Aber gerne! Auf jeden Fall ein anderer und abwechslungsreicherer Vormittag als tareas und pitufos mit den Kleinen, worauf ich mich dann schon freute.
Los gings um neun, wir sind zur Catolica gefahren, haben uns auf den Campus gestellt und die Kalender verkauft. Hatte etwas von Flugblätter verteilen, nur auf Spanisch, aber hat mir schon sehr viel Spaß gemacht. Zweieinhalb Stunden später hatten wir 275 Soles eingenommen, schmerzende Füße, Durst und vier Handynummern, was eigentlich eine recht gute Quote ist. Unsere Kollegin, mit der wir dort waren, lud uns dann noch auf den tollsten Fruchtsaft ein, den ich hier je getrunken habe, Mango-Maracuya-Fresa, was für eine Mischung! Ich muss öfter zur Catolica, nur des Fruchtsafts wegen, allein dafür lohnte sich der Vormittag.
Heute stand auch wieder Kalender-Verkaufen an, dieses Mal allerdings am Colegio San Francisco, einer Jungenschule in der Nähe. Wir wurden von einem der Lehrer freundlich begrüßt und gingen dann gleich in die erste Klasse. Er erzählte ein bisschen was, wir erzählten ein bisschen was, von uns, von unserer Arbeit und was wir hier machen, und dann haben wir die Kalender an die Schüler verkauft, die heute schon einen Sol dabei hatten, was ungefähr die Hälfte war, weshalb wir morgen noch einmal wiederkommen - que suerte!
Es war so interessant, ein bisschen was vom Schulalltag mitzubekommen. Ich hatte es mir chaotischer vorgestellt, aber die Jungs waren wirklich diszipliniert, für meinen Geschmack ein wenig zu sehr, die Begrüßung und Verabschiedung im Chor mit Aufstehen hatte etwas sehr Militärisches an sich, was mir eigentlich nicht so gefiel. Als ich mir unsere Kinder dort vorgestellt habe, musste ich allerdings lachen, die sind eher das genaue Gegenteil, in meiner Klasse bzw. in den Kursen später wäre es aber auch unvorstellbar gewesen. 
In der Pause fand ich es dann doch bedeutend besser, da tobten sie rum und spielten wie ich es schon eher gewohnt bin. Mit einigen der Jungs haben wir uns dann auch noch unterhalten und es war richtig schön, wie offen und neugierig sie sind.
Kurz vorher konnten wir auch noch einen Erdbebenalarm miterleben. Krass, wie schnell das ging, innerhalb von zwei Minuten waren alle Jungs draußen. Wenn ich das so mit dem Feueralarm in meiner Schule vergleiche, in der das nicht so zügig war und in der man den Feueralarm gerne auch mal überhört - andererseits sind stärkere Erdbeben hier in Peru eine wirklich größere und akutere Gefahr als Feuer in Deutschland.
Interessant fand ich auch, dass wir in Klassen jeder Altersgruppe gegangen sind. Die kleinen Jungs waren richtig begeistert und wollten unbedingt was geben, versicherten uns mehrmals, dass sie morgen einen kaufen werden und freuten sich darüber, dass wir morgen wiederkommen. Die großen Jungs hingegen, die zum Teil nur ein, zwei Jahre jünger sind als ich, waren dann doch deutlich stärker an uns interessiert als an den Kalendern, freuten sich allerdings auch sehr darüber, dass wir morgen wiederkommen. ;)

Montag, 7. November 2011

(Er)leben

Wenn ich von den letzten Tagen erzählen soll, wo soll ich anfangen, wo soll ich aufhören, was soll ich sagen, wo soll ich einfach Bilder für sich sprechen lassen und welche?
Nazca
Ich muss sagen, ich weiß es nicht … ich habe an die 500 Fotos und noch viel mehr Eindrücke und Erlebnisse. Wir waren auf dem Friedhof Chauchilla mitten in der Wüste und haben zur Abwechslung mal den Taxifahrer abgezockt und nicht umgedreht, sind über die Nazca-Linien geflogen und haben fast gekotzt, waren Sandboarden in der Wüste und sind bis zum Sonnenuntergang dort geblieben, wurden in Ica fast ausgeraubt, haben peruanisches Halloween gefeiert, haben die Islas Ballestas und das Reserva Nacional de Paracas besucht, haben Lima von oben gesehen, wurden von sprechenden Oreo-Keksen verfolgt und haben selbstgemachten Pisco Sour und Mango Sour mit einigen anderen Freiwilligen aus Lima getrunken.
10 Tage in Nazca, Ica, Pisco, Lima und zum Schluss wieder Arequipa, und ich kann nur sagen, zum Glück, denn diese Stadt gefällt mir mit Abstand am besten.
Nazca war eine tolle kleine Stadt, so offen, so lebendig, so liebenswert, mit einem ganz eigenen Flair. Ica war nicht mein Fall, die Oase Huacachina fand ich allerdings richtig schön. Pisco hat eine tolle Lage, direkt am Meer, allerdings wurden 85% der Stadt bei dem starken Erdbeben von 2007 zerstört und diese Wunde ist noch immer offen. Je näher man an den Strand kam, desto weniger war dort … Ruinen, Trümmer, zerstörte Häuser, immer noch, nach vier Jahren.
Und dann Lima … ich kann mich nicht entscheiden, ob ich diese Stadt mag oder nicht. Lima ist gewaltig, gigantisch, wuchtig und unvorstellbar groß. 12 Millionen Menschen sollen dort leben, eine Zahl, die einfach nicht greifbar ist, dabei wächst die Stadt nach wie vor weiter. Lima ist nicht schön, Lima ist gefährlich, aber Lima fasziniert mich einfach und ich bin mir sicher, ich war nicht das letzte Mal dort.
Es waren zehn sehr intensive, interessante, ereignisreiche und unvergessliche Tage. Und trotzdem ist es schön, wieder in Arequipa zu sein, die vertrauten Gipfel des Misti und des Chachani zu sehen und nach 50 Metern schon wieder außer Atem zu kommen. Die nächste Reise kommt schließlich auch, mehr sehen, mehr erleben und mehr kennen lernen von diesem vielfältigen Land.


In der Wüste bei Chauchilla

Mumien auf dem Friedhof, ich weiß nicht, warum es das Bild gedreht hat, machts aber jedes Mal.

Der Astronaut, meine Lieblingsfigur =)

Der Kolibri

Tuk Tuk fahren in Ica!

Huacachina


Auf die Plätze ...

... fertig ...

... und los!

Sonnenuntergang in der Wüste :)

El Candelabro, Zeichen ähnlich der Nazca-Linien bei Paracas, auch hier wissen sie nicht genau, warum und wie und wofür. Ich finde die Piratentheorie cool! :D

Islas Ballestas

Mag mir jemand einen Seelöwen schenken?


La Catedral, im Reserva Nacional, wurde auch bei dem Erdbeben teils zerstört.

Poser!

In Pisco.

Lima von oben. Diese Stadt hört einfach nicht auf ...


5 voluntarios, gracias por este viaje tan chévere!