... nämlich irgendwie gar nicht. Gefühlt ist Weihnachten dieses Jahr für mich ausgefallen, was ich aber nicht so schlimm finde, und mal ganz ehrlich, wie soll man bei Sonnenschein auch nur halbwegs in Weihnachtsstimmung kommen?
Am 24. direkt waren wir zusammen mit den großen Jungs bei Malena, einer Psychologin der Aldea, die uns zum Mittagessen eingeladen hatte. Anschließend gabs noch Geschenke für die Jungs, die sich richtig gefreut hatten, auch und gerade darüber, mal aus der Aldea rauszukommen. Am Abend sind wir dann mit den Kindern in die Messe gefahren, hinten auf dem Anhänger eines Autos, fast 50 Kinder wollen schließlich irgendwie transportiert werden und da ist ein Combi ja nicht ausreichend. Die Messe selbst fand ich ziemlich lustig, ich saß neben Niko und wir hatten beide keine Ahnung, wann wir aufstehen und wann wir uns wieder hinsetzen sollen, weil irgendwie immer mal nur die Hälfte aufgestanden ist und die andere Hälfe sitzen blieb, dann mal alle, dann nur die vorderen Reihen, und wir deshalb ziemlich irritiert da standen. Die Kinder haben uns dann zu verstehen gegeben, wann wir an der Reihe sind, uns letztendlich aber auch wieder nur verarscht und sich über unsere Unkenntnis lustig gemacht. Die kleinen Biester!
Leider war es das auch fast schon an Weihnachten in der Aldea, später gabs natürlich wieder Ärger von den tutoras und vom Padre, die Kinder hätten nicht schön genug gesungen, sie haben dies nicht gemacht und das nicht, blablabla. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr mich diese so negative Grundeinstellung zu den Kindern aufregt, also lass ich das an dieser Stelle auch lieber, weil ich mich sonst zu sehr reinsteigere.
Den 25. verbrachte ich fast ausschließlich im Bett, weil ichs leider schon wieder geschafft habe, krank zu werden und mich immer noch mit Fieber und Reizhusten rumschlage. So langsam nervts mich richtig.
Am 26. stand dann der erste Teil unseres Geschenkes für die Kinder an. Statt für jeden ein Geschenk zu suchen, das sie ohnehin nur kaputt machen werden und gar nicht richtig zu schätzen wissen, weil es täglich drei visitas mit tausenden Geschenken gab, beschlossen wir, die Kinder einfach aus der Aldea rauszuholen und mit ihnen ins Kino zu gehen. Einmal mit den Kleinen und einmal mit den Großen, damit sich diese nicht einen Kinderfilm anschauen müssen, sondern mal etwas, was eher ihrem Alter entspricht. Am Montag waren also die Kleinen dran mit dem gestiefelten Kater. Gefallen hats ihnen sehr gut, zumal wir danach noch auf einer Art Rummelplatz waren, wo sie dann alle zwei Runden umsonst Karussell fahren durften. Da haben sie aber gestrahlt!
Unsere Organisation war ein wenig chaotisch, aber wir hatten mit dem Kino abgesprochen, am nächsten Tag mit den Großen Mission Impossible zu schauen. Tja, dann standen wir da und es hieß plötzlich, es geht doch nicht ... stattdessen setzten sie uns dann in einen anderen Film, "Operación Regalo", ein Kinderfilm eben. Oh Mann und dabei wollten wir genau das vermeiden ... der Film war zwar ganz süß und gut gemacht, aber ich hätte den Großen einfach etwas anderes gegönnt, auch wenn sie es trotzdem toll fanden. Die Rückfahrt zur Aldea wurde dann wieder zum Abenteuer, schließlich waren wir insgesamt 28 Leute in einem Combi, der für ungefähr 15 Personen ausgelegt ist ... als wir aus dem Parkhaus rausfahren wollten, kamen wir auch prompt nicht hoch. Also wurden ungefähr fünf Leute rausgeschmissen, die den Combi anschieben mussten, sodass wir irgendwie doch noch vorwärts gekommen sind.
Das war eigentlich auch schon alles zum Thema Weihnachten, dafür steht Silvester vor der Tür. Am 30. kommen einige Freiwillige aus Lima zu uns, mit denen wir dann zum Strand fahren und dort Silvester feiern wollen, am 1. reise ich mit ihnen weiter zum Titicaca-See und nach Bolivien, sodass ich mich erst wieder Mitte Januar melden werde, dann hoffentlich mit einem ausführlichen Reisebericht und vielen Fotos. Bis dahin wünsche ich euch allen einen guten Rutsch y hasta luego! :)
Mittwoch, 28. Dezember 2011
Donnerstag, 22. Dezember 2011
Es regnet!
Heute Nachmittag fing es plötzlich an, nachdem der Misti und der Chachani in den letzten Wochen immer öfter völlig von Wolken verdeckt wurden.
Die Kinder fandens blöd, wir Freiwilligen waren ganz aus dem Häuschen, diese Begeisterung konnte auch durch den unweigerlich darauf folgenden Stromausfall nicht gebremst werden. Im Haus sitzen und den Regen aufs Dach trommeln hören und an den Fensterscheiben herunterlaufen sehen, draußen sein und die Tropfen spüren und den Geruch von Regen nach über vier Monaten endlich wieder in der Nase haben - ich hätte es nie für möglich gehalten, dass man schlechtes Wetter so vermissen kann. Aber man tut es irgendwie doch.
Die Kinder fandens blöd, wir Freiwilligen waren ganz aus dem Häuschen, diese Begeisterung konnte auch durch den unweigerlich darauf folgenden Stromausfall nicht gebremst werden. Im Haus sitzen und den Regen aufs Dach trommeln hören und an den Fensterscheiben herunterlaufen sehen, draußen sein und die Tropfen spüren und den Geruch von Regen nach über vier Monaten endlich wieder in der Nase haben - ich hätte es nie für möglich gehalten, dass man schlechtes Wetter so vermissen kann. Aber man tut es irgendwie doch.
Samstag, 17. Dezember 2011
Abschlussball und nervige Mitbewohner
Nach meinem Abiball diesen Sommer dachte ich, dass ich so bald nicht mehr auf einem Abschlussball sein werde, da hatte ich mich aber getäuscht. Gabriela, eine der Ältesten der Aldea, fragte uns diese Woche, ob wir sie nicht auf ihren Ball begleiten wollen. Und so sind wir dann Freitagabend los.
Ein Kleid, das halbwegs passend ist, hatte ich dabei, Schuhe allerdings nicht. Zunächst hat mir Ramona ein Paar ausgeliehen, die aber 2-3 Nummern zu groß waren und aus denen ich ständig rausrutschte, auch wenn ich sie ein wenig mit Klopapier ausgestopft hatte. Die Mädels haben das gesehen, woraufhin mir eines von den jüngeren angeboten hat, ein Paar Schuhe zu leihen ... das hat dann auch gepasst. Ich wusste schon immer, ich hab zu kleine Füße. Anstrengend war es trotzdem, weil ich Absätze im Allgemeinen überhaupt nicht gewohnt war und erst recht nicht solche dünnen, wie diese Schuhe sie hatten. Aber ich hab mich den ganzen Abend wacker geschlagen und bin kein einziges Mal hingefallen! :)
Um sechs Uhr abends waren wir dann im Restaurante Arequipa, wo es laut Karte und Gabriela losgehen sollte. Mit typisch peruanischer Verspätung fing es dann gegen halb acht an. :)
Als Gabriela uns entdeckte, wirkte sie richtig stolz und wollte dann unbedingt, dass unser gescheiterter Justin-Bieber-Verschnitt Niko sie begleitet, um mit ihm anzugeben. Der hatte nämlich eine wirklich umwerfende Wirkung auf die anwesende Damenwelt - als ich kurz auf dem Klo war, wurde ich von allen Mädchen, die dort waren, gelöchert, ob ich ihn kenne, wie er heißt, wie alt er ist, und, natürlich, ob er eine Freundin hat.
Gegen eins wurde die Musik ausgemacht, bis wir zu Hause waren, war es trotzdem schon wieder um zwei. Aber es hatte sich gelohnt und war ein richtig schöner Abend!
Seinen Preis hatte er leider trotzdem, denn ich bin völlig erkältet aufgewacht und konnte heute den ganzen Tag nur im Bett liegen. Wenigstens leistet mir jetzt unser neuer Mitbewohner Gesellschaft, ein kleines Kätzchen, das irgendwie nicht größer wird. Wir haben es Gabriel genannt, weil es erst noch einen Bruder hatte, der ziemlich teuflisch war und deshalb Luzifer hieß - nachdem Luzifer aber bei einer Kollegin untergekommen ist, hat sich herausgestellt, dass unser Gabriel alles andere als ein Engelchen ist. Eigentlich brauchen wir schon wieder einen anderen Namen ... der Kleine ist eine Mischung aus Kuh und Katze, ziemlich hässlich, ziemlich nervig und ziemlich verrückt, aber er mag Pink Floyd, also kann er ja gar nicht mal soooo dumm sein wie ich anfangs dachte.
Donnerstag, 8. Dezember 2011
Die lieben Kleinen
Um mal etwas mehr von meinen Kindern hier zu erzählen:
Zur Zeit haben sie recht wenige Hausaufgaben, da es so langsam auf die Ferien zugeht. Das finde ich aber toll, weil wir so viel mehr mit ihnen spielen und rumtoben können und das doch um einiges mehr Spaß macht als Mathe-Hausaufgaben, die man selbst nicht ganz versteht.
Pünktlich am 6.12. kam dann auch in der Aldea der Nikolaus. Am 5. haben wir noch einen Berg voll Süßigkeiten gekauft, den wir am Morgen des 6. (um vier Uhr!!) dann in den Schuhen verteilten. Dass wir so früh aufstehen mussten, liegt daran, dass die Kinder sich sonst alles gegenseitig aus den Schuhen klauen würden. Und die Leidtragenden waren dann wir, um vier Uhr ist echt keine menschliche Zeit. Spaß gemacht hats trotzdem und es war schön, ihnen mit dieser kleinen Sache eine solche Freude zu machen.
Heute Morgen hatten einige der Jungs dann ihre erste Kommunion. Irgendwie sind wir davon ausgegangen, dass wir hier um neun zur Kirche fahren, also saßen wir halb acht entspannt beim Frühstück, als wir das Auto des Padres losfahren hörten. Daraufhin sind wir schnell herausgerannt und durften feststellen, dass es jetzt schon losgeht - und ich war immer noch in Schlafsachen ... halbwegs pünktlich sind wir dann trotzdem noch in der Kirche angekommen. Unsere Jungs haben sich gefreut, weil wir auch die Einzigen der Aldea waren, die bei ihrer Kommunion dabei waren. Das hat dann letztendlich auch zu der Frage geführt, wie wir die Kinder jetzt nach Hause bringen - der Padre hat sie ja nur hingefahren und ist dann wieder zurück zur Aldea. Erst dachten wir noch, er wird sie schon wieder abholen, also haben wir ihnen ein Eis gekauft und gewartet. Und gewartet und gewartet und uns mit den Jungs schließlich in den nächsten Combi nach Hause gesetzt. Für die war das allerdings auch ein kleines Abenteuer. :)
Und sonst kann ich eigentlich nur erzählen, wie toll diese Kinder sind und wie sehr ich sie ins Herz geschlossen habe. Sie fragen, ob wir uns als Kinder mal geprügelt haben oder warum unsere Gesichter so aussehen. Sie werfen beim Abendessen mit Nudeln nach mir und jagen mich anschließend mit einer Wassertasse durch die ganze Aldea, die sie über mir auskippen wollen. Sie wollen, dass ich für sie tanze und lachen mich aus. Sie drücken sich ganz fest an mich und nennen mich "Mama". Und ich würde sie dann am liebsten ebenfalls nicht mehr loslassen und das ist krass, weil ich vorher nicht gedacht hätte, dass ich sie so sehr lieben würde.
| La Candy - missmutig wie eh und je, wenn sie irgendwas basteln soll. |
| Deybi. |
| José |
| Joel y Neiber. |
| Deybi otra vez. |
| El gordito. |
| Neiber. |
![]() | |||||
| Frank. |
| Nach der Kommunion mit Bryan und Omar. |
Sonntag, 4. Dezember 2011
La Punta de Bombón
La Punta de Bombón ist ein kleines Dorf am Meer, in das uns die Psychologin unserer Aldea kurzfristig eingeladen hatte. Wie gewohnt war es wieder ein ziemliches Chaos, aber es ist unvorstellbar, was man in 24 Stunden alles erleben kann und wie viele Denkanreize man bekommen kann.
Wenn man abends bei Sonnenuntergang ganz allein am Strand ist und sich in den Pazifik stürzt, von den unglaublich starken Wellen umherwirbeln, untertauchen, umwerfen lässt, wird man sprachlos angesichts dieser gewaltigen Wassermassen, die so viel stärker sind als man selbst. Und man fühlt sich so klein, so schwach, so unbedeutend, aber man ist da und so lebendig und allein das ist schon Beweis genug, dass man doch auch ein Teil davon ist. Irgendwie.
Und gleichzeitig wird man stärker mit Armut konfrontiert als jemals zuvor. Ich wusste, dass die Landbevölkerung Perus die ärmere ist, aber was heißt das schon, ich wusste. Ich habe es gelesen, Bilder gesehen, davon gehört. Und auch wenn ich in den fast vier Monaten, die ich schon hier bin, schon einiges gesehen habe, das hat mich umgehauen. Diese Szenen kriege ich nicht mehr aus dem Kopf. Und das ist vielleicht auch gut und wichtig so.
Irgendwie möchte ich schon genau erzählen, wie es war, aber die Worte in meinem Kopf fügen sich gerade nicht so zusammen wie ich es gerne hätte. Weil ich zu beschäftigt damit war, alles aufzusagen, und deshalb eher wenige Fotos gemacht habe, kann ich dieses Mal eigentlich nicht einmal darauf verweisen. Aber natürlich mach ichs trotzdem.
| Eine Karriere als Ingenieur sollten wir lieber nicht anstreben. |
| "Ich habe das Recht auf einen Vor- und Nachnamen." |
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