Heute Nachmittag fing es plötzlich an, nachdem der Misti und der Chachani in den letzten Wochen immer öfter völlig von Wolken verdeckt wurden.
Die Kinder fandens blöd, wir Freiwilligen waren ganz aus dem Häuschen, diese Begeisterung konnte auch durch den unweigerlich darauf folgenden Stromausfall nicht gebremst werden. Im Haus sitzen und den Regen aufs Dach trommeln hören und an den Fensterscheiben herunterlaufen sehen, draußen sein und die Tropfen spüren und den Geruch von Regen nach über vier Monaten endlich wieder in der Nase haben - ich hätte es nie für möglich gehalten, dass man schlechtes Wetter so vermissen kann. Aber man tut es irgendwie doch.
Donnerstag, 22. Dezember 2011
Samstag, 17. Dezember 2011
Abschlussball und nervige Mitbewohner
Nach meinem Abiball diesen Sommer dachte ich, dass ich so bald nicht mehr auf einem Abschlussball sein werde, da hatte ich mich aber getäuscht. Gabriela, eine der Ältesten der Aldea, fragte uns diese Woche, ob wir sie nicht auf ihren Ball begleiten wollen. Und so sind wir dann Freitagabend los.
Ein Kleid, das halbwegs passend ist, hatte ich dabei, Schuhe allerdings nicht. Zunächst hat mir Ramona ein Paar ausgeliehen, die aber 2-3 Nummern zu groß waren und aus denen ich ständig rausrutschte, auch wenn ich sie ein wenig mit Klopapier ausgestopft hatte. Die Mädels haben das gesehen, woraufhin mir eines von den jüngeren angeboten hat, ein Paar Schuhe zu leihen ... das hat dann auch gepasst. Ich wusste schon immer, ich hab zu kleine Füße. Anstrengend war es trotzdem, weil ich Absätze im Allgemeinen überhaupt nicht gewohnt war und erst recht nicht solche dünnen, wie diese Schuhe sie hatten. Aber ich hab mich den ganzen Abend wacker geschlagen und bin kein einziges Mal hingefallen! :)
Um sechs Uhr abends waren wir dann im Restaurante Arequipa, wo es laut Karte und Gabriela losgehen sollte. Mit typisch peruanischer Verspätung fing es dann gegen halb acht an. :)
Als Gabriela uns entdeckte, wirkte sie richtig stolz und wollte dann unbedingt, dass unser gescheiterter Justin-Bieber-Verschnitt Niko sie begleitet, um mit ihm anzugeben. Der hatte nämlich eine wirklich umwerfende Wirkung auf die anwesende Damenwelt - als ich kurz auf dem Klo war, wurde ich von allen Mädchen, die dort waren, gelöchert, ob ich ihn kenne, wie er heißt, wie alt er ist, und, natürlich, ob er eine Freundin hat.
Gegen eins wurde die Musik ausgemacht, bis wir zu Hause waren, war es trotzdem schon wieder um zwei. Aber es hatte sich gelohnt und war ein richtig schöner Abend!
Seinen Preis hatte er leider trotzdem, denn ich bin völlig erkältet aufgewacht und konnte heute den ganzen Tag nur im Bett liegen. Wenigstens leistet mir jetzt unser neuer Mitbewohner Gesellschaft, ein kleines Kätzchen, das irgendwie nicht größer wird. Wir haben es Gabriel genannt, weil es erst noch einen Bruder hatte, der ziemlich teuflisch war und deshalb Luzifer hieß - nachdem Luzifer aber bei einer Kollegin untergekommen ist, hat sich herausgestellt, dass unser Gabriel alles andere als ein Engelchen ist. Eigentlich brauchen wir schon wieder einen anderen Namen ... der Kleine ist eine Mischung aus Kuh und Katze, ziemlich hässlich, ziemlich nervig und ziemlich verrückt, aber er mag Pink Floyd, also kann er ja gar nicht mal soooo dumm sein wie ich anfangs dachte.
Donnerstag, 8. Dezember 2011
Die lieben Kleinen
Um mal etwas mehr von meinen Kindern hier zu erzählen:
Zur Zeit haben sie recht wenige Hausaufgaben, da es so langsam auf die Ferien zugeht. Das finde ich aber toll, weil wir so viel mehr mit ihnen spielen und rumtoben können und das doch um einiges mehr Spaß macht als Mathe-Hausaufgaben, die man selbst nicht ganz versteht.
Pünktlich am 6.12. kam dann auch in der Aldea der Nikolaus. Am 5. haben wir noch einen Berg voll Süßigkeiten gekauft, den wir am Morgen des 6. (um vier Uhr!!) dann in den Schuhen verteilten. Dass wir so früh aufstehen mussten, liegt daran, dass die Kinder sich sonst alles gegenseitig aus den Schuhen klauen würden. Und die Leidtragenden waren dann wir, um vier Uhr ist echt keine menschliche Zeit. Spaß gemacht hats trotzdem und es war schön, ihnen mit dieser kleinen Sache eine solche Freude zu machen.
Heute Morgen hatten einige der Jungs dann ihre erste Kommunion. Irgendwie sind wir davon ausgegangen, dass wir hier um neun zur Kirche fahren, also saßen wir halb acht entspannt beim Frühstück, als wir das Auto des Padres losfahren hörten. Daraufhin sind wir schnell herausgerannt und durften feststellen, dass es jetzt schon losgeht - und ich war immer noch in Schlafsachen ... halbwegs pünktlich sind wir dann trotzdem noch in der Kirche angekommen. Unsere Jungs haben sich gefreut, weil wir auch die Einzigen der Aldea waren, die bei ihrer Kommunion dabei waren. Das hat dann letztendlich auch zu der Frage geführt, wie wir die Kinder jetzt nach Hause bringen - der Padre hat sie ja nur hingefahren und ist dann wieder zurück zur Aldea. Erst dachten wir noch, er wird sie schon wieder abholen, also haben wir ihnen ein Eis gekauft und gewartet. Und gewartet und gewartet und uns mit den Jungs schließlich in den nächsten Combi nach Hause gesetzt. Für die war das allerdings auch ein kleines Abenteuer. :)
Und sonst kann ich eigentlich nur erzählen, wie toll diese Kinder sind und wie sehr ich sie ins Herz geschlossen habe. Sie fragen, ob wir uns als Kinder mal geprügelt haben oder warum unsere Gesichter so aussehen. Sie werfen beim Abendessen mit Nudeln nach mir und jagen mich anschließend mit einer Wassertasse durch die ganze Aldea, die sie über mir auskippen wollen. Sie wollen, dass ich für sie tanze und lachen mich aus. Sie drücken sich ganz fest an mich und nennen mich "Mama". Und ich würde sie dann am liebsten ebenfalls nicht mehr loslassen und das ist krass, weil ich vorher nicht gedacht hätte, dass ich sie so sehr lieben würde.
| La Candy - missmutig wie eh und je, wenn sie irgendwas basteln soll. |
| Deybi. |
| José |
| Joel y Neiber. |
| Deybi otra vez. |
| El gordito. |
| Neiber. |
![]() | |||||
| Frank. |
| Nach der Kommunion mit Bryan und Omar. |
Sonntag, 4. Dezember 2011
La Punta de Bombón
La Punta de Bombón ist ein kleines Dorf am Meer, in das uns die Psychologin unserer Aldea kurzfristig eingeladen hatte. Wie gewohnt war es wieder ein ziemliches Chaos, aber es ist unvorstellbar, was man in 24 Stunden alles erleben kann und wie viele Denkanreize man bekommen kann.
Wenn man abends bei Sonnenuntergang ganz allein am Strand ist und sich in den Pazifik stürzt, von den unglaublich starken Wellen umherwirbeln, untertauchen, umwerfen lässt, wird man sprachlos angesichts dieser gewaltigen Wassermassen, die so viel stärker sind als man selbst. Und man fühlt sich so klein, so schwach, so unbedeutend, aber man ist da und so lebendig und allein das ist schon Beweis genug, dass man doch auch ein Teil davon ist. Irgendwie.
Und gleichzeitig wird man stärker mit Armut konfrontiert als jemals zuvor. Ich wusste, dass die Landbevölkerung Perus die ärmere ist, aber was heißt das schon, ich wusste. Ich habe es gelesen, Bilder gesehen, davon gehört. Und auch wenn ich in den fast vier Monaten, die ich schon hier bin, schon einiges gesehen habe, das hat mich umgehauen. Diese Szenen kriege ich nicht mehr aus dem Kopf. Und das ist vielleicht auch gut und wichtig so.
Irgendwie möchte ich schon genau erzählen, wie es war, aber die Worte in meinem Kopf fügen sich gerade nicht so zusammen wie ich es gerne hätte. Weil ich zu beschäftigt damit war, alles aufzusagen, und deshalb eher wenige Fotos gemacht habe, kann ich dieses Mal eigentlich nicht einmal darauf verweisen. Aber natürlich mach ichs trotzdem.
| Eine Karriere als Ingenieur sollten wir lieber nicht anstreben. |
| "Ich habe das Recht auf einen Vor- und Nachnamen." |
Montag, 28. November 2011
Bald schon ist Weihnachtszeit ...
Gestern wurde ich plötzlich daran erinnert, dass der erste Advent ist, was für mich völlig überraschend kam. Erster Advent, wie bitte was? Ihr wollt mich doch verarschen ...
... aber dieses Gefühl habe ich sowieso die ganze Zeit. In wenigen Tagen ist Dezember und Weihnachten rückt immer näher, was auch die Kinder schon feststellten mit der Aussage, es fängt bald an zu regnen, bald ist Weihnachten!
Bei ewig strahlendem Sonnenschein und im T-Shirt draußen fällt es mir bloß ein wenig schwer, das zu glauben. Ich verliere hier jegliches Gespür für Jahreszeiten. Aber doch, die Zeichen sind eindeutig - die Supermärkte sind weihnachtlich dekoriert und auch in Arequipa kann man bereits Weihnachts-Deko finden.
Und das ist etwas, was mich gewaltig stört. Denn welche Deko ist das wohl - Rentiere, ein Weihnachtsmann auf dem Schlitten, Tannenbäume. Dabei gibt es hier nicht einmal Schnee!!
Das ist so absurd, weil es so typisch westlich und so untypisch peruanisch ist. Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass ich "Last Christmas" noch nicht im Radio gehört habe, aber ich möchte das jetzt auch nicht unbedingt heraufbeschwören.
Genauso habe ich das Gefühl, dass sich jetzt, wo es wirklich auf Weihnachten zugeht, die Spenden in der Aldea häufen. Nicht dass es an sich etwas Schlechtes wäre, aber es ist ja nicht so, dass die Kinder nur Weihnachten in der Aldea leben und für den Rest des Jahres keine Unterstützung brauchen ... aber gut, ich versteh das schon, zu Weihnachten muss man sich ja ein wenig ein gutes Gewissen spenden und anschließend in seine Nestlé/Milka/Lindt/wasauchimmer-Schokolade beißen, die schließlich bekanntermaßen auch für die reinste Nächstenliebe steht. Lang lebe die Globalisierung oder so.
... aber dieses Gefühl habe ich sowieso die ganze Zeit. In wenigen Tagen ist Dezember und Weihnachten rückt immer näher, was auch die Kinder schon feststellten mit der Aussage, es fängt bald an zu regnen, bald ist Weihnachten!
Bei ewig strahlendem Sonnenschein und im T-Shirt draußen fällt es mir bloß ein wenig schwer, das zu glauben. Ich verliere hier jegliches Gespür für Jahreszeiten. Aber doch, die Zeichen sind eindeutig - die Supermärkte sind weihnachtlich dekoriert und auch in Arequipa kann man bereits Weihnachts-Deko finden.
Und das ist etwas, was mich gewaltig stört. Denn welche Deko ist das wohl - Rentiere, ein Weihnachtsmann auf dem Schlitten, Tannenbäume. Dabei gibt es hier nicht einmal Schnee!!
Das ist so absurd, weil es so typisch westlich und so untypisch peruanisch ist. Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass ich "Last Christmas" noch nicht im Radio gehört habe, aber ich möchte das jetzt auch nicht unbedingt heraufbeschwören.
Genauso habe ich das Gefühl, dass sich jetzt, wo es wirklich auf Weihnachten zugeht, die Spenden in der Aldea häufen. Nicht dass es an sich etwas Schlechtes wäre, aber es ist ja nicht so, dass die Kinder nur Weihnachten in der Aldea leben und für den Rest des Jahres keine Unterstützung brauchen ... aber gut, ich versteh das schon, zu Weihnachten muss man sich ja ein wenig ein gutes Gewissen spenden und anschließend in seine Nestlé/Milka/Lindt/wasauchimmer-Schokolade beißen, die schließlich bekanntermaßen auch für die reinste Nächstenliebe steht. Lang lebe die Globalisierung oder so.
Donnerstag, 17. November 2011
Abwechslung
Ich muss sagen, mir fällt es immer schwerer, etwas in den Blog zu schreiben - das liegt nicht daran, dass nicht so viel passiert, wenn ich wollte, könnte ich sicher täglich schreiben und von vielen Kleinigkeiten, die irgendwie auch gar nicht so klein und unbedeutend sind, erzählen. Aber das ist für mich mittlerweile schon so alltäglich, dass ich mir komisch dabei vorkomme, es hier zu schreiben.
Die letzten zwei Tage waren allerdings so gar nicht alltäglich.
Gestern sollten wir Kalender der Aldea an einer der Unis Arequipas verkaufen, "un sol, con beso dos soles" (ein Sol, mit Kuss zwei). Aber gerne! Auf jeden Fall ein anderer und abwechslungsreicherer Vormittag als tareas und pitufos mit den Kleinen, worauf ich mich dann schon freute.
Los gings um neun, wir sind zur Catolica gefahren, haben uns auf den Campus gestellt und die Kalender verkauft. Hatte etwas von Flugblätter verteilen, nur auf Spanisch, aber hat mir schon sehr viel Spaß gemacht. Zweieinhalb Stunden später hatten wir 275 Soles eingenommen, schmerzende Füße, Durst und vier Handynummern, was eigentlich eine recht gute Quote ist. Unsere Kollegin, mit der wir dort waren, lud uns dann noch auf den tollsten Fruchtsaft ein, den ich hier je getrunken habe, Mango-Maracuya-Fresa, was für eine Mischung! Ich muss öfter zur Catolica, nur des Fruchtsafts wegen, allein dafür lohnte sich der Vormittag.
Heute stand auch wieder Kalender-Verkaufen an, dieses Mal allerdings am Colegio San Francisco, einer Jungenschule in der Nähe. Wir wurden von einem der Lehrer freundlich begrüßt und gingen dann gleich in die erste Klasse. Er erzählte ein bisschen was, wir erzählten ein bisschen was, von uns, von unserer Arbeit und was wir hier machen, und dann haben wir die Kalender an die Schüler verkauft, die heute schon einen Sol dabei hatten, was ungefähr die Hälfte war, weshalb wir morgen noch einmal wiederkommen - que suerte!
Es war so interessant, ein bisschen was vom Schulalltag mitzubekommen. Ich hatte es mir chaotischer vorgestellt, aber die Jungs waren wirklich diszipliniert, für meinen Geschmack ein wenig zu sehr, die Begrüßung und Verabschiedung im Chor mit Aufstehen hatte etwas sehr Militärisches an sich, was mir eigentlich nicht so gefiel. Als ich mir unsere Kinder dort vorgestellt habe, musste ich allerdings lachen, die sind eher das genaue Gegenteil, in meiner Klasse bzw. in den Kursen später wäre es aber auch unvorstellbar gewesen.
In der Pause fand ich es dann doch bedeutend besser, da tobten sie rum und spielten wie ich es schon eher gewohnt bin. Mit einigen der Jungs haben wir uns dann auch noch unterhalten und es war richtig schön, wie offen und neugierig sie sind.
Kurz vorher konnten wir auch noch einen Erdbebenalarm miterleben. Krass, wie schnell das ging, innerhalb von zwei Minuten waren alle Jungs draußen. Wenn ich das so mit dem Feueralarm in meiner Schule vergleiche, in der das nicht so zügig war und in der man den Feueralarm gerne auch mal überhört - andererseits sind stärkere Erdbeben hier in Peru eine wirklich größere und akutere Gefahr als Feuer in Deutschland.
Interessant fand ich auch, dass wir in Klassen jeder Altersgruppe gegangen sind. Die kleinen Jungs waren richtig begeistert und wollten unbedingt was geben, versicherten uns mehrmals, dass sie morgen einen kaufen werden und freuten sich darüber, dass wir morgen wiederkommen. Die großen Jungs hingegen, die zum Teil nur ein, zwei Jahre jünger sind als ich, waren dann doch deutlich stärker an uns interessiert als an den Kalendern, freuten sich allerdings auch sehr darüber, dass wir morgen wiederkommen. ;)
Die letzten zwei Tage waren allerdings so gar nicht alltäglich.
Gestern sollten wir Kalender der Aldea an einer der Unis Arequipas verkaufen, "un sol, con beso dos soles" (ein Sol, mit Kuss zwei). Aber gerne! Auf jeden Fall ein anderer und abwechslungsreicherer Vormittag als tareas und pitufos mit den Kleinen, worauf ich mich dann schon freute.
Los gings um neun, wir sind zur Catolica gefahren, haben uns auf den Campus gestellt und die Kalender verkauft. Hatte etwas von Flugblätter verteilen, nur auf Spanisch, aber hat mir schon sehr viel Spaß gemacht. Zweieinhalb Stunden später hatten wir 275 Soles eingenommen, schmerzende Füße, Durst und vier Handynummern, was eigentlich eine recht gute Quote ist. Unsere Kollegin, mit der wir dort waren, lud uns dann noch auf den tollsten Fruchtsaft ein, den ich hier je getrunken habe, Mango-Maracuya-Fresa, was für eine Mischung! Ich muss öfter zur Catolica, nur des Fruchtsafts wegen, allein dafür lohnte sich der Vormittag.
Heute stand auch wieder Kalender-Verkaufen an, dieses Mal allerdings am Colegio San Francisco, einer Jungenschule in der Nähe. Wir wurden von einem der Lehrer freundlich begrüßt und gingen dann gleich in die erste Klasse. Er erzählte ein bisschen was, wir erzählten ein bisschen was, von uns, von unserer Arbeit und was wir hier machen, und dann haben wir die Kalender an die Schüler verkauft, die heute schon einen Sol dabei hatten, was ungefähr die Hälfte war, weshalb wir morgen noch einmal wiederkommen - que suerte!
Es war so interessant, ein bisschen was vom Schulalltag mitzubekommen. Ich hatte es mir chaotischer vorgestellt, aber die Jungs waren wirklich diszipliniert, für meinen Geschmack ein wenig zu sehr, die Begrüßung und Verabschiedung im Chor mit Aufstehen hatte etwas sehr Militärisches an sich, was mir eigentlich nicht so gefiel. Als ich mir unsere Kinder dort vorgestellt habe, musste ich allerdings lachen, die sind eher das genaue Gegenteil, in meiner Klasse bzw. in den Kursen später wäre es aber auch unvorstellbar gewesen.
In der Pause fand ich es dann doch bedeutend besser, da tobten sie rum und spielten wie ich es schon eher gewohnt bin. Mit einigen der Jungs haben wir uns dann auch noch unterhalten und es war richtig schön, wie offen und neugierig sie sind.
Kurz vorher konnten wir auch noch einen Erdbebenalarm miterleben. Krass, wie schnell das ging, innerhalb von zwei Minuten waren alle Jungs draußen. Wenn ich das so mit dem Feueralarm in meiner Schule vergleiche, in der das nicht so zügig war und in der man den Feueralarm gerne auch mal überhört - andererseits sind stärkere Erdbeben hier in Peru eine wirklich größere und akutere Gefahr als Feuer in Deutschland.
Interessant fand ich auch, dass wir in Klassen jeder Altersgruppe gegangen sind. Die kleinen Jungs waren richtig begeistert und wollten unbedingt was geben, versicherten uns mehrmals, dass sie morgen einen kaufen werden und freuten sich darüber, dass wir morgen wiederkommen. Die großen Jungs hingegen, die zum Teil nur ein, zwei Jahre jünger sind als ich, waren dann doch deutlich stärker an uns interessiert als an den Kalendern, freuten sich allerdings auch sehr darüber, dass wir morgen wiederkommen. ;)
Montag, 7. November 2011
(Er)leben
Wenn ich von den letzten Tagen erzählen soll, wo soll ich anfangen, wo soll ich aufhören, was soll ich sagen, wo soll ich einfach Bilder für sich sprechen lassen und welche?
| Nazca |
Ich muss sagen, ich weiß es nicht … ich habe an die 500 Fotos und noch viel mehr Eindrücke und Erlebnisse. Wir waren auf dem Friedhof Chauchilla mitten in der Wüste und haben zur Abwechslung mal den Taxifahrer abgezockt und nicht umgedreht, sind über die Nazca-Linien geflogen und haben fast gekotzt, waren Sandboarden in der Wüste und sind bis zum Sonnenuntergang dort geblieben, wurden in Ica fast ausgeraubt, haben peruanisches Halloween gefeiert, haben die Islas Ballestas und das Reserva Nacional de Paracas besucht, haben Lima von oben gesehen, wurden von sprechenden Oreo-Keksen verfolgt und haben selbstgemachten Pisco Sour und Mango Sour mit einigen anderen Freiwilligen aus Lima getrunken.
10 Tage in Nazca, Ica, Pisco, Lima und zum Schluss wieder Arequipa, und ich kann nur sagen, zum Glück, denn diese Stadt gefällt mir mit Abstand am besten.
Nazca war eine tolle kleine Stadt, so offen, so lebendig, so liebenswert, mit einem ganz eigenen Flair. Ica war nicht mein Fall, die Oase Huacachina fand ich allerdings richtig schön. Pisco hat eine tolle Lage, direkt am Meer, allerdings wurden 85% der Stadt bei dem starken Erdbeben von 2007 zerstört und diese Wunde ist noch immer offen. Je näher man an den Strand kam, desto weniger war dort … Ruinen, Trümmer, zerstörte Häuser, immer noch, nach vier Jahren.
Und dann Lima … ich kann mich nicht entscheiden, ob ich diese Stadt mag oder nicht. Lima ist gewaltig, gigantisch, wuchtig und unvorstellbar groß. 12 Millionen Menschen sollen dort leben, eine Zahl, die einfach nicht greifbar ist, dabei wächst die Stadt nach wie vor weiter. Lima ist nicht schön, Lima ist gefährlich, aber Lima fasziniert mich einfach und ich bin mir sicher, ich war nicht das letzte Mal dort.
Es waren zehn sehr intensive, interessante, ereignisreiche und unvergessliche Tage. Und trotzdem ist es schön, wieder in Arequipa zu sein, die vertrauten Gipfel des Misti und des Chachani zu sehen und nach 50 Metern schon wieder außer Atem zu kommen. Die nächste Reise kommt schließlich auch, mehr sehen, mehr erleben und mehr kennen lernen von diesem vielfältigen Land.
| In der Wüste bei Chauchilla |
| Mumien auf dem Friedhof, ich weiß nicht, warum es das Bild gedreht hat, machts aber jedes Mal. |
| Der Astronaut, meine Lieblingsfigur =) |
| Der Kolibri |
| Tuk Tuk fahren in Ica! |
| Huacachina |
| Auf die Plätze ... |
| ... fertig ... |
| ... und los! |
| Sonnenuntergang in der Wüste :) |
| El Candelabro, Zeichen ähnlich der Nazca-Linien bei Paracas, auch hier wissen sie nicht genau, warum und wie und wofür. Ich finde die Piratentheorie cool! :D |
| Islas Ballestas |
| Mag mir jemand einen Seelöwen schenken? |
| La Catedral, im Reserva Nacional, wurde auch bei dem Erdbeben teils zerstört. |
| Poser! |
| In Pisco. |
| Lima von oben. Diese Stadt hört einfach nicht auf ... |
| 5 voluntarios, gracias por este viaje tan chévere! |
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