Aus dem Loch, in dem ich noch vor wenigen Tagen war, bin ich mittlerweile wieder raus, auch körperlich gehts mir soweit wieder ganz gut. 2012 hat beschissen angefangen, also kanns nur noch besser werden und ich bin mir sicher, das wird es auch. :) Ich möchte mich aber auch bei den ganzen Leuten bedanken, die mir nach dem letzten Blogeintrag geschrieben haben - auch wenn ich noch nicht jede Nachricht beantwortet habe, habe ich mich über jede sehr gefreut!
Das neue Jahr hat auch gleich ziemlich viele Veränderungen gebracht. Die vielleicht gravierendste betrifft das Wetter und auch wenn Gerede übers Wetter normalerweise oberflächlicher Smalltalk ist, den ich nicht ausstehen kann, ist es im Moment mehr als nur gerechtfertigt! Ende Dezember hat es ja angefangen zu regnen, was ich anfangs auch noch ganz toll fand. Der Misti lässt sich vor lauter Wolken nicht mehr blicken und auch die Sonne scheint fast gar nicht mehr, nur manchmal kurz am Morgen. Das hat wiederum direkte Auswirkungen auf unser Wasser hier, da wir nur warm duschen können, wenn das Wasser von der Sonne gewärmt wird, was im Moment nun nicht mehr der Fall ist. Dementsprechend ist die Duschmoral von uns allen derzeit ziemlich niedrig und wenn man wirklich mal wieder duschen muss, springt man für zwei Minuten drunter, macht beim Haarewaschen die merkwürdigsten Verrenkungen, um dem kalten Wasser möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, und jammert dann den Rest des Tages über dieses blöde kalte Wasser.
Pünktlich am Nachmittag fängt es an zu regnen und hört stundenlang nicht mehr auf. Leider ist unser Haus ein wenig undicht, weshalb das Treppenhaus dann regelmäßig unter Wasser steht. Noch schlimmer sind aber die Straßen, die derzeit eher Seen oder Bächen ähneln. Eine Kanalisation ist zwarwirklich eine tolle Erfindung, aber wird ja irgendwie auch völlig überbewertet ... irgendwie fühle ich mich an die Deutsche Bahn und ihre Probleme damit, dass jedes Jahr wieder Winter wird, erinnert.
Andererseits kann man dadurch aber auch jede Menge Spaß haben und lange werden wir ohnehin nicht mehr in Arequipa sein. Bald geht es mit den Kindern für ein paar Tage an den Strand (auch wenn bis heute noch nicht klar ist, wohin wir fahren und wie lange wir fahren) und dann folgt auch schon ein kleiner Lima-Urlaub mit anschließendem Zwischenseminar in Cerro Azul. (Und dass Zwischenseminar Halbzeit bedeutet, möchte ich mir noch gar nicht vorstellen.)
Die Kinder haben im Moment Ferien, wodurch sich auch für uns die Arbeit wieder verändert hat. Ich fange erst morgen wieder an zu arbeiten und es sieht so aus, dass einer die Morgenschicht hat und von neun bis eins arbeitet und in der Zeit die Kleinen betreut, weil die Großen "Vacaciones útiles" haben, also im Prinzip Unterricht von verschiedenen Studenten. Die anderen beiden sind dann am Nachmittag dran, die Großen betreuen, die "lectura" haben, also lesen sollen, spielen und dann irgendwann mit ihnen Fernsehn schauen. Am pädagogischen Sinn von letzterem zweifle ich ziemlich, aber leider haben wir hier nicht viel zu sagen.
Und sonst herrscht hier derzeit ein ständiges Kommen und Gehen. Diese Woche hatten wir Besuch von einer Freiwilligen aus Chile; als sie gegangen ist, ist dafür Steffen gekommen, ein Freiwilliger aus Lima, dem ich es zu verdanken habe, dass ich nun auch endlich mal die Kathedrale Arequipas besucht habe und mit dem wir gestern einen verdammt lustigen Abend hatten inklusive improvisiertes Fußbad und die Erkenntnis, warum die Peruaner Pisco eigentlich niemals mit Inca Kola mischen (weil Pisco mit Inca Kola wie purer Pisco schmeckt). Steffen reist heute ab, dafür zieht unsere Vorvorvorfreiwillige, die wieder in Arequipa ist, wahrscheinlich für eine Woche zu uns.
So ist im Moment auch viel mehr Leben in diesem Haus, das für drei Menschen einfach viel zu groß ist. Abgesehen davon, dass es auch viel zu viel zu putzen gibt und es sich ohnehin nicht lohnt, weil es am nächsten Tag schon wieder so staubig ist wie vorher. Naja, der gute Wille zählt ja bekanntlich auch.
Sonntag, 8. Januar 2012
Dienstag, 3. Januar 2012
Baja.
Zwar wollte ich mich eigentlich erst, wie geschrieben, Mitte Januar mit einem Reisebericht und Fotos wiedermelden, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt ... die Erkältung, die ich glaubte zu haben, hat sich schließlich als Lungenentzündung herausgestellt. Nicht dass ich freiwillig zum Arzt oder gar ins Krankenhaus gefahren wäre - das wurde mir dann von Niko abgenommen, nachdem ich am Abend des 29. keine Luft mehr gekriegt habe, weil der Husten zu schlimm wurde. Kommentare zum peruanischen Gesundheitssystem, bekannt als eines der schlechtesten Lateinamerikas, verkneife ich mir an dieser Stelle außer - Peru hat eine der höchsten Mütter- und Säuglingssterblichkeitsraten Lateinamerikas und ich kann mir sehr lebhaft vorstellen, wie diese zustande kommen.
Jedenfalls habe ich Silvester so nicht am Strand verbracht, sondern alleine in meinem Zimmer. Ich hoffe, dass ich niemals wieder ein so einsames und trauriges Silvester erleben muss und ich hoffe auch für jeden anderen, dass er niemals in den zweifelhaften Genuss dieser Erfahrung kommen muss. Irgendwann habe ich mir geschworen, dass ich Silvester am Strand innerhalb der nächsten fünf Jahre in Australien oder Neuseeland nachholen werde ... wir sehen uns dann dort. :)
Mittlerweile bin ich zum Glück nicht mehr im Krankenhaus, wo sie mich nur mit Blutabnehmen und Infusionen gequält haben und es ja nun wirklich nicht viel bis gar nichts gibt, vor dem ich mehr Angst habe als vor Spritzen. Dafür habe ich absolute Bettruhe verordnet bekommen und liege seitdem rum, schaue Scrubs, schlafe und beantworte endlich mal die ganzen Mails, die in den letzten Wochen und Monaten unbeantwortet geblieben sind. Es ist einfach nur sowas von langweilig und in den letzten Tagen hatte mich auch das Heimweh ziemlich gepackt. Ich wollte, oder will, nach Deutschland, zurück in mein Machern, zu meiner Familie, zu meinem Hund, zu meinen Freunden ... baja, Alemania, baja por favor!
Das wird wieder, da bin ich mir sicher, spätestens wenn ich wieder was zu tun habe und wieder draußen bei den Kindern bin. Ich habe auch darüber nachgedacht, ob ich das überhaupt posten soll, weil es wirklich sehr persönlich ist, aber dieses Jahr ist eben kein Urlaub, in dem alles nur toll und wunderbar ist.
Ich merke, dass ich zwar vieles hier selbstständig in den Griff kriegen muss und auch kriege, aber genauso auf die Unterstützung einiger lieber Menschen in Deutschland angewiesen bin. Und ich merke sehr deutlich, wer diese Menschen sind und wer wirklich an mich denkt und wer wirklich zählt. Und genauso merke ich, dass bei diesen Menschen auch 11,000 km Entfernung nichts ausmachen. Danke an diese Menschen. Ich glaube, sie wissen, dass sie gemeint sind.
So, so you think you can tell?
Heaven from hell
Blue skys from pain?
Can you tell a green field
from a cold steel rail?
A smile from a veil?
Do you think you can tell?
And did they get you to trade
your heroes for ghosts?
Hot ashes for trees?
Hot air for a cool breeze?
Cold comfort for change?
And did you exchange
a walk on part in the war
for a lead role in a cage?
How I wish, how I wish you were here
We're just two lost souls
swimming in a fish bowl
year after year
Running over the same old ground
And how we found
the same old fears
Wish you were here.
(Pink Floyd - Wish you were here)
Jedenfalls habe ich Silvester so nicht am Strand verbracht, sondern alleine in meinem Zimmer. Ich hoffe, dass ich niemals wieder ein so einsames und trauriges Silvester erleben muss und ich hoffe auch für jeden anderen, dass er niemals in den zweifelhaften Genuss dieser Erfahrung kommen muss. Irgendwann habe ich mir geschworen, dass ich Silvester am Strand innerhalb der nächsten fünf Jahre in Australien oder Neuseeland nachholen werde ... wir sehen uns dann dort. :)
Mittlerweile bin ich zum Glück nicht mehr im Krankenhaus, wo sie mich nur mit Blutabnehmen und Infusionen gequält haben und es ja nun wirklich nicht viel bis gar nichts gibt, vor dem ich mehr Angst habe als vor Spritzen. Dafür habe ich absolute Bettruhe verordnet bekommen und liege seitdem rum, schaue Scrubs, schlafe und beantworte endlich mal die ganzen Mails, die in den letzten Wochen und Monaten unbeantwortet geblieben sind. Es ist einfach nur sowas von langweilig und in den letzten Tagen hatte mich auch das Heimweh ziemlich gepackt. Ich wollte, oder will, nach Deutschland, zurück in mein Machern, zu meiner Familie, zu meinem Hund, zu meinen Freunden ... baja, Alemania, baja por favor!
Das wird wieder, da bin ich mir sicher, spätestens wenn ich wieder was zu tun habe und wieder draußen bei den Kindern bin. Ich habe auch darüber nachgedacht, ob ich das überhaupt posten soll, weil es wirklich sehr persönlich ist, aber dieses Jahr ist eben kein Urlaub, in dem alles nur toll und wunderbar ist.
Ich merke, dass ich zwar vieles hier selbstständig in den Griff kriegen muss und auch kriege, aber genauso auf die Unterstützung einiger lieber Menschen in Deutschland angewiesen bin. Und ich merke sehr deutlich, wer diese Menschen sind und wer wirklich an mich denkt und wer wirklich zählt. Und genauso merke ich, dass bei diesen Menschen auch 11,000 km Entfernung nichts ausmachen. Danke an diese Menschen. Ich glaube, sie wissen, dass sie gemeint sind.
Heaven from hell
Blue skys from pain?
Can you tell a green field
from a cold steel rail?
A smile from a veil?
Do you think you can tell?
And did they get you to trade
your heroes for ghosts?
Hot ashes for trees?
Hot air for a cool breeze?
Cold comfort for change?
And did you exchange
a walk on part in the war
for a lead role in a cage?
How I wish, how I wish you were here
We're just two lost souls
swimming in a fish bowl
year after year
Running over the same old ground
And how we found
the same old fears
Wish you were here.
(Pink Floyd - Wish you were here)
Mittwoch, 28. Dezember 2011
Weihnachten mal anders
... nämlich irgendwie gar nicht. Gefühlt ist Weihnachten dieses Jahr für mich ausgefallen, was ich aber nicht so schlimm finde, und mal ganz ehrlich, wie soll man bei Sonnenschein auch nur halbwegs in Weihnachtsstimmung kommen?
Am 24. direkt waren wir zusammen mit den großen Jungs bei Malena, einer Psychologin der Aldea, die uns zum Mittagessen eingeladen hatte. Anschließend gabs noch Geschenke für die Jungs, die sich richtig gefreut hatten, auch und gerade darüber, mal aus der Aldea rauszukommen. Am Abend sind wir dann mit den Kindern in die Messe gefahren, hinten auf dem Anhänger eines Autos, fast 50 Kinder wollen schließlich irgendwie transportiert werden und da ist ein Combi ja nicht ausreichend. Die Messe selbst fand ich ziemlich lustig, ich saß neben Niko und wir hatten beide keine Ahnung, wann wir aufstehen und wann wir uns wieder hinsetzen sollen, weil irgendwie immer mal nur die Hälfte aufgestanden ist und die andere Hälfe sitzen blieb, dann mal alle, dann nur die vorderen Reihen, und wir deshalb ziemlich irritiert da standen. Die Kinder haben uns dann zu verstehen gegeben, wann wir an der Reihe sind, uns letztendlich aber auch wieder nur verarscht und sich über unsere Unkenntnis lustig gemacht. Die kleinen Biester!
Leider war es das auch fast schon an Weihnachten in der Aldea, später gabs natürlich wieder Ärger von den tutoras und vom Padre, die Kinder hätten nicht schön genug gesungen, sie haben dies nicht gemacht und das nicht, blablabla. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr mich diese so negative Grundeinstellung zu den Kindern aufregt, also lass ich das an dieser Stelle auch lieber, weil ich mich sonst zu sehr reinsteigere.
Den 25. verbrachte ich fast ausschließlich im Bett, weil ichs leider schon wieder geschafft habe, krank zu werden und mich immer noch mit Fieber und Reizhusten rumschlage. So langsam nervts mich richtig.
Am 26. stand dann der erste Teil unseres Geschenkes für die Kinder an. Statt für jeden ein Geschenk zu suchen, das sie ohnehin nur kaputt machen werden und gar nicht richtig zu schätzen wissen, weil es täglich drei visitas mit tausenden Geschenken gab, beschlossen wir, die Kinder einfach aus der Aldea rauszuholen und mit ihnen ins Kino zu gehen. Einmal mit den Kleinen und einmal mit den Großen, damit sich diese nicht einen Kinderfilm anschauen müssen, sondern mal etwas, was eher ihrem Alter entspricht. Am Montag waren also die Kleinen dran mit dem gestiefelten Kater. Gefallen hats ihnen sehr gut, zumal wir danach noch auf einer Art Rummelplatz waren, wo sie dann alle zwei Runden umsonst Karussell fahren durften. Da haben sie aber gestrahlt!
Unsere Organisation war ein wenig chaotisch, aber wir hatten mit dem Kino abgesprochen, am nächsten Tag mit den Großen Mission Impossible zu schauen. Tja, dann standen wir da und es hieß plötzlich, es geht doch nicht ... stattdessen setzten sie uns dann in einen anderen Film, "Operación Regalo", ein Kinderfilm eben. Oh Mann und dabei wollten wir genau das vermeiden ... der Film war zwar ganz süß und gut gemacht, aber ich hätte den Großen einfach etwas anderes gegönnt, auch wenn sie es trotzdem toll fanden. Die Rückfahrt zur Aldea wurde dann wieder zum Abenteuer, schließlich waren wir insgesamt 28 Leute in einem Combi, der für ungefähr 15 Personen ausgelegt ist ... als wir aus dem Parkhaus rausfahren wollten, kamen wir auch prompt nicht hoch. Also wurden ungefähr fünf Leute rausgeschmissen, die den Combi anschieben mussten, sodass wir irgendwie doch noch vorwärts gekommen sind.
Das war eigentlich auch schon alles zum Thema Weihnachten, dafür steht Silvester vor der Tür. Am 30. kommen einige Freiwillige aus Lima zu uns, mit denen wir dann zum Strand fahren und dort Silvester feiern wollen, am 1. reise ich mit ihnen weiter zum Titicaca-See und nach Bolivien, sodass ich mich erst wieder Mitte Januar melden werde, dann hoffentlich mit einem ausführlichen Reisebericht und vielen Fotos. Bis dahin wünsche ich euch allen einen guten Rutsch y hasta luego! :)
Am 24. direkt waren wir zusammen mit den großen Jungs bei Malena, einer Psychologin der Aldea, die uns zum Mittagessen eingeladen hatte. Anschließend gabs noch Geschenke für die Jungs, die sich richtig gefreut hatten, auch und gerade darüber, mal aus der Aldea rauszukommen. Am Abend sind wir dann mit den Kindern in die Messe gefahren, hinten auf dem Anhänger eines Autos, fast 50 Kinder wollen schließlich irgendwie transportiert werden und da ist ein Combi ja nicht ausreichend. Die Messe selbst fand ich ziemlich lustig, ich saß neben Niko und wir hatten beide keine Ahnung, wann wir aufstehen und wann wir uns wieder hinsetzen sollen, weil irgendwie immer mal nur die Hälfte aufgestanden ist und die andere Hälfe sitzen blieb, dann mal alle, dann nur die vorderen Reihen, und wir deshalb ziemlich irritiert da standen. Die Kinder haben uns dann zu verstehen gegeben, wann wir an der Reihe sind, uns letztendlich aber auch wieder nur verarscht und sich über unsere Unkenntnis lustig gemacht. Die kleinen Biester!
Leider war es das auch fast schon an Weihnachten in der Aldea, später gabs natürlich wieder Ärger von den tutoras und vom Padre, die Kinder hätten nicht schön genug gesungen, sie haben dies nicht gemacht und das nicht, blablabla. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr mich diese so negative Grundeinstellung zu den Kindern aufregt, also lass ich das an dieser Stelle auch lieber, weil ich mich sonst zu sehr reinsteigere.
Den 25. verbrachte ich fast ausschließlich im Bett, weil ichs leider schon wieder geschafft habe, krank zu werden und mich immer noch mit Fieber und Reizhusten rumschlage. So langsam nervts mich richtig.
Am 26. stand dann der erste Teil unseres Geschenkes für die Kinder an. Statt für jeden ein Geschenk zu suchen, das sie ohnehin nur kaputt machen werden und gar nicht richtig zu schätzen wissen, weil es täglich drei visitas mit tausenden Geschenken gab, beschlossen wir, die Kinder einfach aus der Aldea rauszuholen und mit ihnen ins Kino zu gehen. Einmal mit den Kleinen und einmal mit den Großen, damit sich diese nicht einen Kinderfilm anschauen müssen, sondern mal etwas, was eher ihrem Alter entspricht. Am Montag waren also die Kleinen dran mit dem gestiefelten Kater. Gefallen hats ihnen sehr gut, zumal wir danach noch auf einer Art Rummelplatz waren, wo sie dann alle zwei Runden umsonst Karussell fahren durften. Da haben sie aber gestrahlt!
Unsere Organisation war ein wenig chaotisch, aber wir hatten mit dem Kino abgesprochen, am nächsten Tag mit den Großen Mission Impossible zu schauen. Tja, dann standen wir da und es hieß plötzlich, es geht doch nicht ... stattdessen setzten sie uns dann in einen anderen Film, "Operación Regalo", ein Kinderfilm eben. Oh Mann und dabei wollten wir genau das vermeiden ... der Film war zwar ganz süß und gut gemacht, aber ich hätte den Großen einfach etwas anderes gegönnt, auch wenn sie es trotzdem toll fanden. Die Rückfahrt zur Aldea wurde dann wieder zum Abenteuer, schließlich waren wir insgesamt 28 Leute in einem Combi, der für ungefähr 15 Personen ausgelegt ist ... als wir aus dem Parkhaus rausfahren wollten, kamen wir auch prompt nicht hoch. Also wurden ungefähr fünf Leute rausgeschmissen, die den Combi anschieben mussten, sodass wir irgendwie doch noch vorwärts gekommen sind.
Das war eigentlich auch schon alles zum Thema Weihnachten, dafür steht Silvester vor der Tür. Am 30. kommen einige Freiwillige aus Lima zu uns, mit denen wir dann zum Strand fahren und dort Silvester feiern wollen, am 1. reise ich mit ihnen weiter zum Titicaca-See und nach Bolivien, sodass ich mich erst wieder Mitte Januar melden werde, dann hoffentlich mit einem ausführlichen Reisebericht und vielen Fotos. Bis dahin wünsche ich euch allen einen guten Rutsch y hasta luego! :)
Donnerstag, 22. Dezember 2011
Es regnet!
Heute Nachmittag fing es plötzlich an, nachdem der Misti und der Chachani in den letzten Wochen immer öfter völlig von Wolken verdeckt wurden.
Die Kinder fandens blöd, wir Freiwilligen waren ganz aus dem Häuschen, diese Begeisterung konnte auch durch den unweigerlich darauf folgenden Stromausfall nicht gebremst werden. Im Haus sitzen und den Regen aufs Dach trommeln hören und an den Fensterscheiben herunterlaufen sehen, draußen sein und die Tropfen spüren und den Geruch von Regen nach über vier Monaten endlich wieder in der Nase haben - ich hätte es nie für möglich gehalten, dass man schlechtes Wetter so vermissen kann. Aber man tut es irgendwie doch.
Die Kinder fandens blöd, wir Freiwilligen waren ganz aus dem Häuschen, diese Begeisterung konnte auch durch den unweigerlich darauf folgenden Stromausfall nicht gebremst werden. Im Haus sitzen und den Regen aufs Dach trommeln hören und an den Fensterscheiben herunterlaufen sehen, draußen sein und die Tropfen spüren und den Geruch von Regen nach über vier Monaten endlich wieder in der Nase haben - ich hätte es nie für möglich gehalten, dass man schlechtes Wetter so vermissen kann. Aber man tut es irgendwie doch.
Samstag, 17. Dezember 2011
Abschlussball und nervige Mitbewohner
Nach meinem Abiball diesen Sommer dachte ich, dass ich so bald nicht mehr auf einem Abschlussball sein werde, da hatte ich mich aber getäuscht. Gabriela, eine der Ältesten der Aldea, fragte uns diese Woche, ob wir sie nicht auf ihren Ball begleiten wollen. Und so sind wir dann Freitagabend los.
Ein Kleid, das halbwegs passend ist, hatte ich dabei, Schuhe allerdings nicht. Zunächst hat mir Ramona ein Paar ausgeliehen, die aber 2-3 Nummern zu groß waren und aus denen ich ständig rausrutschte, auch wenn ich sie ein wenig mit Klopapier ausgestopft hatte. Die Mädels haben das gesehen, woraufhin mir eines von den jüngeren angeboten hat, ein Paar Schuhe zu leihen ... das hat dann auch gepasst. Ich wusste schon immer, ich hab zu kleine Füße. Anstrengend war es trotzdem, weil ich Absätze im Allgemeinen überhaupt nicht gewohnt war und erst recht nicht solche dünnen, wie diese Schuhe sie hatten. Aber ich hab mich den ganzen Abend wacker geschlagen und bin kein einziges Mal hingefallen! :)
Um sechs Uhr abends waren wir dann im Restaurante Arequipa, wo es laut Karte und Gabriela losgehen sollte. Mit typisch peruanischer Verspätung fing es dann gegen halb acht an. :)
Als Gabriela uns entdeckte, wirkte sie richtig stolz und wollte dann unbedingt, dass unser gescheiterter Justin-Bieber-Verschnitt Niko sie begleitet, um mit ihm anzugeben. Der hatte nämlich eine wirklich umwerfende Wirkung auf die anwesende Damenwelt - als ich kurz auf dem Klo war, wurde ich von allen Mädchen, die dort waren, gelöchert, ob ich ihn kenne, wie er heißt, wie alt er ist, und, natürlich, ob er eine Freundin hat.
Gegen eins wurde die Musik ausgemacht, bis wir zu Hause waren, war es trotzdem schon wieder um zwei. Aber es hatte sich gelohnt und war ein richtig schöner Abend!
Seinen Preis hatte er leider trotzdem, denn ich bin völlig erkältet aufgewacht und konnte heute den ganzen Tag nur im Bett liegen. Wenigstens leistet mir jetzt unser neuer Mitbewohner Gesellschaft, ein kleines Kätzchen, das irgendwie nicht größer wird. Wir haben es Gabriel genannt, weil es erst noch einen Bruder hatte, der ziemlich teuflisch war und deshalb Luzifer hieß - nachdem Luzifer aber bei einer Kollegin untergekommen ist, hat sich herausgestellt, dass unser Gabriel alles andere als ein Engelchen ist. Eigentlich brauchen wir schon wieder einen anderen Namen ... der Kleine ist eine Mischung aus Kuh und Katze, ziemlich hässlich, ziemlich nervig und ziemlich verrückt, aber er mag Pink Floyd, also kann er ja gar nicht mal soooo dumm sein wie ich anfangs dachte.
Donnerstag, 8. Dezember 2011
Die lieben Kleinen
Um mal etwas mehr von meinen Kindern hier zu erzählen:
Zur Zeit haben sie recht wenige Hausaufgaben, da es so langsam auf die Ferien zugeht. Das finde ich aber toll, weil wir so viel mehr mit ihnen spielen und rumtoben können und das doch um einiges mehr Spaß macht als Mathe-Hausaufgaben, die man selbst nicht ganz versteht.
Pünktlich am 6.12. kam dann auch in der Aldea der Nikolaus. Am 5. haben wir noch einen Berg voll Süßigkeiten gekauft, den wir am Morgen des 6. (um vier Uhr!!) dann in den Schuhen verteilten. Dass wir so früh aufstehen mussten, liegt daran, dass die Kinder sich sonst alles gegenseitig aus den Schuhen klauen würden. Und die Leidtragenden waren dann wir, um vier Uhr ist echt keine menschliche Zeit. Spaß gemacht hats trotzdem und es war schön, ihnen mit dieser kleinen Sache eine solche Freude zu machen.
Heute Morgen hatten einige der Jungs dann ihre erste Kommunion. Irgendwie sind wir davon ausgegangen, dass wir hier um neun zur Kirche fahren, also saßen wir halb acht entspannt beim Frühstück, als wir das Auto des Padres losfahren hörten. Daraufhin sind wir schnell herausgerannt und durften feststellen, dass es jetzt schon losgeht - und ich war immer noch in Schlafsachen ... halbwegs pünktlich sind wir dann trotzdem noch in der Kirche angekommen. Unsere Jungs haben sich gefreut, weil wir auch die Einzigen der Aldea waren, die bei ihrer Kommunion dabei waren. Das hat dann letztendlich auch zu der Frage geführt, wie wir die Kinder jetzt nach Hause bringen - der Padre hat sie ja nur hingefahren und ist dann wieder zurück zur Aldea. Erst dachten wir noch, er wird sie schon wieder abholen, also haben wir ihnen ein Eis gekauft und gewartet. Und gewartet und gewartet und uns mit den Jungs schließlich in den nächsten Combi nach Hause gesetzt. Für die war das allerdings auch ein kleines Abenteuer. :)
Und sonst kann ich eigentlich nur erzählen, wie toll diese Kinder sind und wie sehr ich sie ins Herz geschlossen habe. Sie fragen, ob wir uns als Kinder mal geprügelt haben oder warum unsere Gesichter so aussehen. Sie werfen beim Abendessen mit Nudeln nach mir und jagen mich anschließend mit einer Wassertasse durch die ganze Aldea, die sie über mir auskippen wollen. Sie wollen, dass ich für sie tanze und lachen mich aus. Sie drücken sich ganz fest an mich und nennen mich "Mama". Und ich würde sie dann am liebsten ebenfalls nicht mehr loslassen und das ist krass, weil ich vorher nicht gedacht hätte, dass ich sie so sehr lieben würde.
| La Candy - missmutig wie eh und je, wenn sie irgendwas basteln soll. |
| Deybi. |
| José |
| Joel y Neiber. |
| Deybi otra vez. |
| El gordito. |
| Neiber. |
![]() | |||||
| Frank. |
| Nach der Kommunion mit Bryan und Omar. |
Sonntag, 4. Dezember 2011
La Punta de Bombón
La Punta de Bombón ist ein kleines Dorf am Meer, in das uns die Psychologin unserer Aldea kurzfristig eingeladen hatte. Wie gewohnt war es wieder ein ziemliches Chaos, aber es ist unvorstellbar, was man in 24 Stunden alles erleben kann und wie viele Denkanreize man bekommen kann.
Wenn man abends bei Sonnenuntergang ganz allein am Strand ist und sich in den Pazifik stürzt, von den unglaublich starken Wellen umherwirbeln, untertauchen, umwerfen lässt, wird man sprachlos angesichts dieser gewaltigen Wassermassen, die so viel stärker sind als man selbst. Und man fühlt sich so klein, so schwach, so unbedeutend, aber man ist da und so lebendig und allein das ist schon Beweis genug, dass man doch auch ein Teil davon ist. Irgendwie.
Und gleichzeitig wird man stärker mit Armut konfrontiert als jemals zuvor. Ich wusste, dass die Landbevölkerung Perus die ärmere ist, aber was heißt das schon, ich wusste. Ich habe es gelesen, Bilder gesehen, davon gehört. Und auch wenn ich in den fast vier Monaten, die ich schon hier bin, schon einiges gesehen habe, das hat mich umgehauen. Diese Szenen kriege ich nicht mehr aus dem Kopf. Und das ist vielleicht auch gut und wichtig so.
Irgendwie möchte ich schon genau erzählen, wie es war, aber die Worte in meinem Kopf fügen sich gerade nicht so zusammen wie ich es gerne hätte. Weil ich zu beschäftigt damit war, alles aufzusagen, und deshalb eher wenige Fotos gemacht habe, kann ich dieses Mal eigentlich nicht einmal darauf verweisen. Aber natürlich mach ichs trotzdem.
| Eine Karriere als Ingenieur sollten wir lieber nicht anstreben. |
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