Mittwoch, 28. September 2011

Mehr Schein als Sein


Ich hatte heute meinen freien Vormittag und bin ins Centro gefahren, um einen Freund zu besuchen und endlich mal mit Quechua zu beginnen. Angekommen an der Plaza de Armas habe ich es sehr bedauert, meine Kamera nicht mitgenommen zu haben, weil es einen kleinen Aufmarsch dort gab mitsamt Uniformen und Musik. Aber andererseits, halb so schlimm, hier ist alles ein Grund zum Feiern, da wird der nächste nicht lange auf sich warten lassen.
Dann bin ich zu diesem Freund, der in einem der artesanías arbeitet, den mehr oder weniger typischen Touri-Läden, in denen man alles kaufen kann, Pullover, Socken, Gürtel, Taschen und und und, alles sehr inkamäßig angehaucht und nur dafür da, mich arm zu machen.
Wir sind natürlich wieder nicht dazu gekommen, Quechua zu lernen, weil wir uns so lange unterhalten haben und es, wie jedes Mal, ein so interessantes und faszinierendes Gespräch war. Ich lerne so viel von ihm, dabei ist Quechua noch nicht einmal inbegriffen.
Irgendwann hat ihn ein Freund besucht, wir haben uns kurz unterhalten, bevor er los ist. Kurze Zeit später musste ich auch los und bin raus aus dem artesanía. Am Ausgang stand ein Mann in Inkakleidung, der Flöte gespielt hat, kurz aufgehört und sich mit "Ciao, Serena!" von mir verabschiedet hat.

Ich stand erst einmal auf dem Schlauch, woher kannte er meinen Namen? Woher kannte ich ihn? Bis mir aufgefallen ist, dass er eben dieser Freund meines Freundes war, den ich eine halbe Stunde zuvor kennen gelernt hatte. In Jeans und T-Shirt und da stand er nun so angezogen, verkleidet, dass ich ihn gar nicht erkannt hätte.
Es wird eine solche Show für die Touristen abgezogen. Es ist alles eine einzige Show.
Ja, die Frauen in traditionellen Kleidern mit langen Zöpfen und bunten Tüchern mit allem Möglichen auf dem Rücken gibt es. Und sie sind ein fester und allgegenwärtiger Bestandteil des Stadtbildes. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie ein akzeptierter Bestandteil sind.
Die Plaza de Armas ist so sauber, von Müll keine Spur. Klar, das ist der Platz schlechthin für die Touristen. Gehe ich aber Brot kaufen, im Alto Cayma, einem Viertel, in das sich wenige Touristen verirren, sehe ich so viel Müll, so viel Verschmutzung. Hier ist es ja auch nicht wichtig, darauf zu achten.
So viel Show, so viel Sein.
Wenigstens können mir meine Kinder immer ein echtes Lächeln ins Gesicht zaubern. Schaut sie euch doch nur an.







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