Wir waren dieses Wochenende für drei Tage im Colca-Canyon. Der Colca-Canyon ist der zweittiefste Canyon der Welt, dementsprechend extrem konnte man sich das auch vorstellen. Das ist auch das Wort, das diese drei Tage am besten beschreibt – extrem schwierig, extrem anstrengend, extrem chaotisch, extrem spaßig und extrem schön. Ich versuche, den Bericht möglichst kurz zu halten, sonst liest ihn sich ja keiner durch und die Leute, die es wirklich interessiert, können mich auch bei Skype/E-Mail nach einem ausführlichen fragen.
Die Wege waren schlichtweg abenteuerlich. Mal bestanden sie nur noch aus Geröll, mal waren sie so steil, dass man eher klettern als laufen musste, und mal waren sie so eng, dass nur ein Mensch dort Platz hatte und man irgendwie entlang balancieren musste, während einen Schritt weiter der Canyon steil abfiel.
Es war ziemlich anstrengend. :)
Gleichzeitig war es jedoch auch ziemlich genial, atemberaubend und eindrucksvoll. Man läuft durch eine Art lebensfeindliche Halbwüste, die Sonne scheint auf einen herab, überall ist nur Staub und auf einmal befindet man sich in einem grünen Paradies, und die ganze Zeit sieht man diesen unvorstellbar großen Canyon. Diese Extreme und diese extremen Wechsel sind so typisch für das Peru, das ich bisher kennen gelernt habe, und ich liebe das.
Am Abend untersuchte ich dann meine schmerzenden Füße und entdeckte die Blase am großen Zeh, die mir noch zum Verhängnis werden sollte. In diesem Moment war sie mir jedoch relativ egal, Pflaster drauf, und weiter gehts.
| Oase von oben. Der Anblick war wirklich Motivation zum Weiterlaufen! |
Laut unserem Guide sollte der zweite Tag nicht so anstrengend werden. Ha, denkste! Bei einem kleinen Zwischenstopp bekamen wir eine Art Maisbier serviert, das erste Bier der Welt, das ich tatsächlich lecker fand! Irgendwann waren wir an der Oase angelangt, dann hieß es den ganzen Nachmittag nur noch Baden, Sonnen, Rumliegen, Ausruhen.
| Dritter Tag in Cabanaconde, man beachte die Notlösung an den Füßen :) |
Dabei entdeckte ich dann, dass eben jene Blase mittlerweile locker auf das Vierfache angeschwollen war. Ich habe noch nie zuvor eine so große Blase gesehen, das war einfach ekelhaft. Aus Angst, sie könnte am nächsten Tag beim gemeinen Aufstieg noch größere Probleme bereiten, entschieden wir uns dazu, sie aufzustechen. Böser, böser Fehler. Denn danach konnte ich gar nicht mehr mit meinem rechten Fuß auftreten, die kleinste Berührung hat geschmerzt, ich habe es nicht einmal mehr geschafft, meinen Schuh anzuziehen.
Was macht man also?
Die Antwort lautet Esel.
Während sich die anderen am dritten Tag also zu Fuß die 1200 Meter wieder hochgeschleppt haben, bin ich mit dem Esel hochgeritten. Und es war so cool! Ich konnte einen phänomenalen Blick auf den Canyon im Sonnenaufgang genießen, das war eine wirklich magische Atmosphäre. Allerdings hatte ich mehrere Male doch Angst um mein Leben, weil die lieben Tiere der Meinung waren, ausgerechnet bei den steilsten und engsten Wegen galoppieren, sich überholen oder sich aufbäumen zu müssen. Mit äußerst zittrigen Knien, aber mehr oder weniger heil bin ich dann also nach wie vor humpelnd in Cabanaconde angekommen. Nach einem Frühstück ging es weiter nach Chivay und in die Thermalbäder. Die waren wunderbar und halfen so sehr gegen den extremen Muskelkater und die schmerzenden Füße, ich hätte den ganzen Tag dort verbringen können. Durfte ich nur leider nicht, weil es dann nach Hause ging. ;)
So weit, so gut, weder diese Worte noch die über zweihundert Fotos, die ich gemacht habe, können wirklich beschreiben, wie unwahrscheinlich, unglaublich, beeindruckend und wunderbar unsere kleine Reise war.
Deshalb also gleich weiter zum nächsten Thema, nach Hause kommen. Das bin ich heute wieder, in meinem Arequipa, meinem Alto Cayma, meiner Aldea. Ich genieße jeden Tag hier, muss ich auch, weil die Zeit verrinnt und die nächsten zwei Wochen schon wieder völlig ausgeplant sind. Und wenn ich mir nur vorstelle, was noch alles vor uns liegt, was wir in diesem Jahr noch alles sehen und erleben werden, wird mir richtig schwindelig. Ein Jahr ist so wenig Zeit.
Ich habe seit heute ein Rückflugdatum. Was ich für eine Lüge halte. Zurück wohin? Zurück? Das gibt es nicht. Ich hatte viele sehr naive Vorstellungen, aber die wohl naivste war, dass es ein Zurück geben kann. Lüge, Lüge, Lüge.
Das alles hier soll jedenfalls am 14. August zu Ende sein. Da soll ich dann um 10:15 in Lima losfliegen und um 10:55 am selben Tag in Frankfurt am Main ankommen. Was ich gerade auch mit Zeitunterschied nicht verstehe, weil ich laut Flugplan doch wieder 18 Stunden unterwegs sein werde. Aber das muss ich jetzt auch nicht verstehen, weil ich dringend etwas Schlaf nachholen und die Eindrücke des Colca-Canyons ein wenig verarbeiten muss. Danach setze ich mich noch einmal daran und danach werde ich es verdrängen und die Zeit hier in Peru genießen – dieses Land lässt auch gar nichts anderes zu. Perú, te quiero!
| Blick in den Canyon. |
| Diese dünnen weißen Linien sind die Wege. |
| In der Oase :) |
| So unvorstellbar groß. |
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