Ich wache meistens gegen halb acht, um acht auf, stehe dann auch ziemlich bald auf und gehe Brot kaufen, was immer eine ziemlich lustige Sache ist, weil man immer noch mit den Verkäufern oder den Männern von der Tankstelle ins Quatschen kommt und ich diese Herzlichkeit echt toll finde. Am liebsten kaufe ich Brot bei einer älteren Frau, die schon ein wenig schwerhörig ist, und mich immer mit einem strahlenden Lächeln und einem supersüßen "Señoriiiiiita" begrüßt.
Dann frühstücken wir in aller Ruhe, wenn ich Morgenschicht habe, gehe ich ungefähr um neun raus zu den Kindern. Morgenschicht bedeutet Kleinkinder, was ich ehrlich gesagt nicht so sehr mag, weil mir die Arbeit mit den Großen mehr Spaß macht. Wir spielen, malen, basteln, kneten, ich füttere das Baby, gehe mit den Allerkleinsten aufs Klo und schimpfe ziemlich viel rum, weil diese kleinen Biester auch wirklich nur Blödsinn im Kopf haben. Um eins gibts dann Mittagsessen, was noch mal eine Nummer stressiger ist, weil die lieben Kleinen ja auch bloß nicht essen wollen und wir dann immer ungefähr bis um zwei da sitzen, bis endlich Schluss ist.
Wir wechseln uns mit dieser Schicht täglich ab; einmal pro Woche will auch Niko einspringen, womit er sich bei uns natürlich sehr beliebt macht. :) An meinen freien Tagen versuche ich meist, ins Centro zu fahren, um mich mit einem Freund zu treffen oder einfach nur ein bisschen das Leben dort zu genießen.
Wir essen Abendbrot, was meist darauf hinausläuft, dass wir uns noch mal Brot kaufen oder ins nächste Chifa-Restaurant gehen, weil unsere Kochkünste sich leider nicht so gut wie unser Spanisch entwickeln. Wir schauen uns irgendeinen Film an, quatschen ewig oder fahren noch mal ins Centro.
Die Anpassung läuft super, insbesondere beim Thema Pünktlichkeit respektieren wir regelmäßig die hora peruana. Damit hab ich ja nun überhaupt keine Probleme. :D
Und die Sprache ... hach. :) Ich liebe Spanisch und ich liebe es, fließend sprechen zu können. Auch wenn wir untereinander noch zu viel Deutsch reden, schleichen sich oft spanische Wörter ein und ich träume inzwischen auch häufig auf Spanisch. Ich kann es mir nicht mehr vorstellen, nicht von der Sprache umgeben zu sein, deshalb wird mir immer klarer, dass ich definitiv Spanisch studieren muss. Und Politikwissenschaft genauso, denn das fehlt mir manchmal so richtig. Lange Diskussionen über Politik, das Verschlingen von irgendwelchen Büchern und Texten, lernen, lernen, lernen, aber nicht auf Schulart, sondern auf Wissenwollenart. Wenn ich mich mit Peruanern über Politik unterhalte, merke ich richtig, wie sehr ich darin aufgehe.
Ein schönes Schlusswort fällt mir jetzt auch nicht ein, deshalb lass ich das dann mal so stehen. :)
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