Donnerstag, 3. Mai 2012

Auf Reisen 1

Nachdem ich in den vergangenen Wochen mehr als genug virtuelle Haue kassieren musste, entschädige ich euch jetzt endlich mit zwei mehr als nur ausführlichen Reiseberichten von zwei wunderbaren Reisen. Und wehe, jemand beschwert sich, dass diese wirklich ausführlich sind!

Tag 0
Vor der ersten Reise nach Bolivien stand jedoch zunächst mein Geburtstag an. Am Abend des 5. April sind Ramona und ich in unser Lieblingslokal, es gab die leckersten Burritos der Welt und sehr guten Pisco Sour und mit nur zwei Stunden Verspätung (in denen Ramona und ich bereits eine Kanne Pisco zu zweit geleert hatten) trafen dann auch einige Freunde ein. Wir sind daraufhin zu einer Hostelparty gegangen und haben wirklich schön in meinen Geburtstag reingefeiert und auch wenn wir den Abend eigentlich eher ruhiger geplant hatten, waren wir dann doch erst um vier zu Hause.
Am Vormittag habe ich dann sehr viel geskypt, während Ramona unten in der Küche zugange war, deren Zutritt mir strengstens untersagt worden war. Sie hatte einen wirklich leckeren Gemüseauflauf zubereitet, den es zusammen mit einer riesengroßen Inca Kola gab. Nachdem ich in den Tagen zuvor noch einige Probleme mit meinem Magen hatte, dem fast jede Mahlzeit nicht ganz gepasst hat, war ich noch ein wenig skeptisch, aber das Essen blieb drin, was schon mal ein gutes Zeichen für die bevorstehende Reise war. Nach einigen letzten hektischen Reisevorbereitungen und einem normalen Arbeitsnachmittag mit den Kindern (= Halli Galli spielen), wurde ich dann am Abend in den Comedor gerufen, wo die Kinder mir ein Geburtstagslied sangen, das große Umarmen begann und zu guter Letzt mein Kopf in der Torte landete. ;)
Danach ging es aber auch endlich los nach Puno.

Tag 1
Nach ein bisschen Schlaf und einem kurzen Frühstück fuhren wir nach Chucuito, ein kleines Dorf in der Nähe von Puno. Dort stehen einige recht interessante Ruinen in der Form von sehr vielen und sehr großen Penissen, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen wollte. Dort sind auch einige sehr interessante Poserfotos entstanden, ich hatte jedenfalls großen Spaß! Steffen, mein Mitreisender, war davon nicht ganz so angetan, aber Pech, da musste er durch.
Zurück in Puno fuhren wir weiter nach Copacabana und ich setzte zum ersten Mal in meinem Leben meinen Fuß auf bolivianischen Boden. An der Grenze gab es keine Probleme, abgesehen davon, dass Steffen - wir vermuten aufgrund purer Wilkür des Grenzbeamten - noch zusätzliche Formulare ausfüllen musste. In Copacabana fanden wir auf Anhieb ein billiges, aber richtig luxuriöses Hostal direkt am Ufer des Titicaca-Sees. Dann holte Bolivien jedoch zum 1:0 aus.
der verhängnisvolle Steg.
In Copacabana kann man den ganzen Tag Tretboot fahren, was wir eine total coole Idee fanden und auch sofort in die Tat umsetzten, nicht bedenkend, dass die Sonne gerade am Untergehen war und es danach möglicherweise dunkel werden könnte. So genossen wir nichtsahnend die Aussicht und den Sonnenuntergang auf unserem kleinen Tretboot im Titicaca-See. Als wir zum Ufer zurückkehren wollten, stellten wir das fest, was vorher nicht zu ahnen war: Es ist dunkel. Im Dunkeln wissen wir überhaupt nicht, an welchem Steg wir anlegen sollen. Dumm gelaufen...
Nachdem wir ein bisschen hilflos in der Nähe vom Ufer rumgetreten sind und einige Versuche unternommen haben, die Frau auf uns aufmerksam zu machen, die uns das Boot verliehen hatte, tauchte sie dann tatsächlich an einem der 1000 Stege auf und winkte zu sich. Erleichtert steuerten wir also diesen Steg an, um, dort angekommen, festzustellen, dass die gute Frau nicht mehr da war. Plötzlich tauchte sie an einem anderen Steg auf, um uns zu diesem zu winken - dort angekommen war sie jedoch wieder verschwunden und winkte uns wiederum von einem anderen Steg zu sich. Dieses nette Spielchen wiederholte sich einige Male, bis sie doch noch Erbarmen hatte und uns anlegen ließ. Warum sie das gemacht hat, wird wohl eine der Fragen sein, die auf ewig unbeantwortet bleiben ...

Tag 2
Mit der in diesem Falle obligatorischen hora boliviana fuhr unser Boot gegen neun Uhr morgens los, zunächst zur Isla de la luna, die uns noch zum Verhängnis werden sollte. Auf der Fahrt dahin lernten wir einen anderen deutschen Freiwilligen kennen, der in Chile lebt, und der ein guter Freund eines Bekannten von mir ist. Die Welt ist wirklich nur ein Dorf ...
Angekommen auf der isla de la luna stiegen wir zunächst zum höchsten Punkt auf und genossen die Landschaft und die warme Sonne. Dann dachten wir, dass es bestimmt einen Weg um die Insel herum gibt, sodass wir nicht denselben Weg wieder absteigen mussten, und stiegen zusammen mit zwei Israelis auf der anderen Seite ab. Wir liefen ein wenig und irgendwann war da kein Weg mehr. Was machen wir jetzt? Wir haben ja nur eine Stunde auf der Insel, dann legt das Boot ab. Wenn wir den Weg zurückgehen, dann müssten wir zuerst den Berg wieder hochsteigen, das dauert auch, und die Insel ist ja nicht sehr groß, wir schlagen uns einfach zum Strand durch und laufen dann dort so lange entlang, bis wir wieder auf den Hafen stoßen.
Entlangirren am Strand.
Was in der Theorie wirklich gut klang, stellte sich in der Praxis als eine sehr blöde Idee heraus, weil die Isla de la luna doch viel größer ist als sie aussieht und der Strand sich ewig lange zieht. Aber jetzt gab es auch kein Zurück mehr ... mit nur einer Dreiviertelstunde Verspätung erreichten wir dann den Hafen, an dem das Boot glücklicherweise auf uns gewartet hatte.
In Zukunft werden Erkundungstouren auf eigene Faust gestrichen, wenn man nur eine begrenzte Zeit hat. Aber wenigstens die Landschaft war wirklich schön und jetzt kennen wir auch mehr als nur die üblichen Touristenecken der Isla de la luna. ;)
Später legten wir auf der Isla del sol an, die wir aber nur ein Stückchen emporstiegen. Als mythologischer Ursprung der Inkas übt sie auf Touristen natürlich einen starken Reiz aus, sodass sie heute nur noch sehr touristisch und dementsprechend überfüllt ist. Landschaftlich ist sie natürlich schon sehr reizvoll, aber ich muss auch sagen, dass ich Amantaní doch um einiges schöner und vor allem nicht so touristisch fand. Aber das ist auch wieder dieser alte Exklusivitätsanspruch, den ich bei jedem Touristen und leider auch bei mir beobachten kann: Es ist hier sooo touristisch - beschwert sich der Tourist.
Dadurch, dass die Insel so groß ist, fanden wir aber auch ein einsames kleines Plätzchen, wo ich mich einfach ins Gras legte und die Sonne genoss und irgendwann auch einschlief. Das Boot zurück habe ich trotzdem nicht verpasst!
In Copacabana waren wir mit besagtem anderen Freiwilligen noch etwas essen und nahmen dann unseren Bus nach La Paz.

Tag 3
wurde erst einmal ausgeschlafen. Danach organisierten wir alles für die kommenden Tage, gaben in den Artesanías zu viel Geld aus (ich zumindest), entdeckten die mit Abstand besten Schokocroissants, die ich je gegessen habe, und liefen in der Stadt rum, die einem aufgrund der Höhe wirklich den Atem raubt. La Paz ist übrigens nicht die Hauptstadt Boliviens, sondern lediglich Regierungssitz; die eigentliche Hauptstadt ist Sucre. Und ich bin nach wie vor felsenfest der Meinung, dass mir in der Schule beigebracht wurde, dass sie die Hauptstadt wäre.
Nichtsdestotrotz ist La Paz eine sehr interessante Stadt mit einer tollen Atmosphäre, die vielleicht nicht viele Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, dafür aber einfach viel Leben. Nach 8 Monaten in Peru beobachtete ich auch eine Szene, die mir einfach nur merkwürdig erschien: Die Menschen standen in einer Schlange für den Bus an und blieben auch in dieser Schlange. Nichts mit dem aggressiven Gedränge und Geschubse, das ich aus Peru kenne, da war ich völlig verblüfft, das war mal eine angenehme Abwechslung!
Dennoch wollte ich endlich los nach Uyuni, worauf ich mich schon so lange gefreut hatte. Das Schicksal machte uns jedoch wieder einen Strich durch die Rechnung: Ausgerechnet an diesem Tag gab es Proteste und Blockaden im Süden des Landes, wo wir nun auch hin wollten. Bald zeichnete sich ab, dass an diesem Tag kein Bus mehr fahren würde ... also suchten wir uns ein Hostal, verschoben alles auf einen Tag nach hinten und hofften, dass wir am nächsten Tag nach Uyuni durchkommen würden.
Ich finde Proteste der Bevölkerung prinzipiell sehr gut und unterstützenswert und bin der Meinung, dass sie auch ein wenig weh tun müssen, um etwas zu bewirken. Der Hintergrund der Blockaden war jedoch folgender: Bolivianische Ärzte arbeiten derzeit 6 Stunden pro Tag, jeder andere 8 Stunden aufwärts. Die Arbeitszeit der Ärzte soll nun ebenfalls auf 8 Stunden erhöht werden und so sehr ichs auch verstehen kann, dass es den Ärzten nicht ganz passt, wenn sie von heute auf morgen 2 Stunden mehr arbeiten sollen, so schlecht finde ich diese Sonderbehandlung. Insofern war ich wirklich sehr angepisst an diesem Abend und konnte mir das auch durch nichts noch schön reden.

Tag 4
Wir schliefen wieder aus, frühstückten in Ruhe und bummelten den ganzen Tag durch La Paz. Erwähnenswert war eigentlich nur der Hexenmarkt mit unzähligen Glücksbringern, Amuletten, Kräutern etc. sowie die leckeren Fruchtsäfte, von denen wir an diesem Tag sehr, sehr viele getrunken haben. Mango, Erdbeere, Pfirsich, Banane und andere, noch viel exotischere Früchte, und das am besten alles zusammen in einem Saft, das ist fast das, was ich am meisten an der peruanischen und auch bolivianischen Küche liebe.
Hexenmarkt
Abends konnten wir dann zum Glück losfahren und das sehr pünktlich. Die Strecke nach Uyuni wird immer als so schrecklich beschrieben und Steffen meinte nach der Hälfte der Strecke noch, dass es ja gar nicht so schlimm wäre - und dann verließ der Bus die Straße und es ging mit ganz viel Geruckel und Gewackel auf irgendeinem Feldweg weiter. Viel schlimmer fand ich aber die Kälte, die sogar die letzten Winter in Deutschland noch übertraf. In einer dicken Wolldecke eingehüllt kauerte ich mich in Embryonalhaltung zusammen und wäre trotzdem fast gestorben. In dieser Nacht habe ich kein Auge zugetan.



Tag 5
Schienen ins Nichts
Wir kamen gegen fünf Uhr morgens in Uyuni an; außerhalb des Busses mit der Wolldecke war es sogar noch kälter und um diese Zeit hat auch noch alles geschlossen. Wir fanden ein Hostal, in das wir uns netterweise für eine Stunde reinsetzen konnten. Ich bin sehr schnell eingeschlafen, um wenigstens ein paar Minuten geschlafen zu haben.
Dann frühstückten wir erst einmal, auch wenn der heiße Tee schöner war als alles andere. So langsam wurde es auch immer wärmer bis heiß, aber lieber so heiß als so kalt wie in der Nacht! Wir suchten einen Touranbieter, der uns preislich als auch vom Gefühl her passte, und los ging es zehn Uhr morgens mit unserem Guide, zwei Spaniern und zwei Belgiern im Jeep.
Zunächst fuhren wir zu einem Eisenbahnhof in der Nähe, wo ganz viele alte, rostige Züge stehen und schon eine tolle Atmosphäre versprühte. Wenn es nur nicht so überlaufen von Touristen wäre, aber das hatte ich ja schon. ;)
Dann fuhren wir endlich direkt in den Salar und das ist einfach die sicher einzigartigste Landschaft, die ich bisher gesehen habe. So weiß, so weit, so unendlich, aber Fotos sagen an dieser Stelle sicher viel, viel mehr. Und das ist alles nur Salz, das ist wirklich beeindruckend.
Die üblichen Spring- und Perspektivenfotos später aßen wir in einem Salzhotel Mittag, in dem alles aus Salz ist, Wände, Boden, Stühle, Tische. Ich wusste nicht, dass man mit Salz so viel anfangen kann.
Anschließend suchte unser Guide eine Stelle, an der der Salar noch unter Wasser steht. Wir fanden sie dadurch, dass der Jeep erst einmal stecken blieb, wir alle aussteigen und anschieben mussten. Wenn der Salar unter Wasser steht, ist die ganze Landschaft noch einmal beeindruckender, weil die Salzwüste als ein riesengroßer Spiegel wirkt und sich der Himmel auf dem Boden widerspiegelt. So etwas habe ich vorher noch nie gesehen.
Kurz darauf verließen wir den Salar und machten uns auf einen langen Weg von mehreren Stunden zu unserer Übernachtungsmöglichkeit, ebenfalls einem Salzhotel, mit Betten aus Salz.
Zwischendurch hielten wir kurz in einem Geisterdorf, das mittlerweile ganz verlassen ist, und eine eigenartige Faszination ausgeübt hat. Wenn man so die unbewohnten Häuser und die leeren Straßen sieht, wie es alles immer mehr zerfällt und die Natur sich alles zurückerobert, das ist auch kein Bild, das man jeden Tag hat.
Sonst habe ich jedoch die ganze Fahrt über tief und fest geschlafen. Mein Schlaf wurde durch das Abendessen noch kurz gestört, ich konnte ihn dann jedoch ohne Probleme bis zum nächsten Morgen durchsetzen.




















Tag 6
 An diesem Tag hatten wir leider Pech mit dem Wetter, es hat immer mal wieder geregnet und war ziemlich kalt. Wir fuhren den ganzen Tag durch die Gegend, sahen uns immer mal wieder einige sehr interessante geologische Dingsbumse an, u.a. den Arbol de la piedra, den Steinbaum, der allein durch den Wind geformt wurde. Bei sowas bekomme ich immer wieder Respekt vor der Natur und ganz einfach auch der Zeit. An einer Lagune haben wir Mittag gegessen, was auch richtig schön war.
Natürlich wäre es ja auch zu langweilig gewesen, wenn alles einfach mal so geklappt hätte wie man es sich vorstellt und so sprang am späten Vormittag der Motor des Jeeps nicht mehr an. Wir waren mitten in der bolivianischen Pampa, meilenweit von jeder Menschenseele entfernt, es gab kein Handyempfang und der Motor des verfickten Jeeps springt nicht mehr an - so beginnen eigentlich Horrorfilme.
Während unser Guia mit dem Motor beschäftigt war, trieb ich mich ein wenig in der Gegend rum und entdeckte einige wirklich sehr interessante Sachen wie grüne Steine, die wohl mit irgendeiner Pflanze bewachsen sind, bei der man erwartet, dass sie so weich wie Moos ist, die aber einfach nur steinhart ist (wie passend ...). Unser Guia, der daraufhin einstimmig zum Held des Tages erklärt wurde, reparierte den Motor aber wieder und so konnten wir die Fahrt nach einer Stunde wieder fortsetzen.
Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir die Laguna Colorada und hatten dann doch noch Glück mit dem Wetter, weil die Sonne wieder rauskam. Das Wasser der Laguna Colorado ist rot und es tummeln sich ganz viele Flamingos dort, die einfach so süß laufen, was ein richtig schöner Anblick ist, wenn die Sonne langsam untergeht und im Hintergrund die Berge sind. Da macht auch der starke und kalte Wind nicht mehr viel aus.





Tag 7
Wie im Übrigen viel zu oft während der Reise standen wir viel zu zeitig auf, gegen fünf. Wir fuhren auf 4900 Meter Höhe, wo die Luft noch einmal merklich dünner ist und ich auch einige kleine Probleme mit dem Atmen bekam und das auf einmal nicht mehr so ganz von selbst geht. Gelohnt hat es sich aber trotzdem, da es dort Geysire gibt. Es zischt und faucht und zum Teil brodelt es in der Erde und da sind diese großen, heißen Rauchschwaden und überall riecht es nach Schwefel. So hat man sich früher die Hölle vorgestellt, nur ist es am frühen Morgen auf 4900 Meter Höhe einfach nur eiskalt.
Danach änderte unser Guide die übliche Touri-Route ab, sodass wir zuerst zur Laguna Verde fuhren, wo wir dann auch die Einzigen waren. Die Laguna Verde soll angeblich grün sein (war aber blau) und liegt direkt an der Grenze zu Chile, auf der anderen Seite lag schon Chile.

Anschließend fuhren wir zu den Thermalbädern, aßen Frühstück und sprangen dann ins Wasser, wo wir auch wieder die Einzigen waren, weil alle anderen Touristen sich gerade auf den Weg zur Laguna Verde befanden. Und ich stehe nun sowieso sehr auf Thermalbäder, aber das war das reinste Paradies. Das Wasser war so schön heiß und entspannend, die Aussicht großartig und man konnte so toll entspannen. Ich wollte nie wieder weg, aber das mussten wir dann leider doch, denn wir fuhren wieder zurück nach Uyuni.
Am Abend hatten wir auch unseren Bus von Uyuni nach La Paz und als ich diesen gesehen habe, dachte ich nur, dass sie mich doch verarschen wollen. Dieses Ding gehörte in ein Museum für antike Fahrzeuge, aber doch nicht auf die Straße! Ich war zutiefst beunruhigt, eben weil wir am nächsten Morgen gleich auf die Death Road wollten und ich daher vielleicht doch wenigstens ein bisschen schlafen sollte.
Aber eine andere Wahl hatten wir nicht ... als mein Handy, bei dem die Musikwiedergabe zufällig erfolgt, aber direkt hintereinander die Lieder "Song to say goodbye", "Abschiedslied" und "La despedida" (der Abschied) abspielte, dachte ich dann wirklich, jetzt ist es aus.
Aber ich habe es ja doch überlebt und konnte in dieser Nacht sogar erstaunlich gut schlafen.

Tag 8
Wir kamen gegen sechs in La Paz an und wurden kurze Zeit später abgeholt. Los ging es auf die Yungas-Straße, die auch unter den Namen Death Road oder el camino de la muerte bekannt ist und als die gefährlichste Straße der Welt gilt. Mehr Informationen findet ihr bei Interesse auch im Internet. ;)
Zunächst mussten wir ein Dokument unterschreiben, dass wir uns dessen bewusst sind, dass wir auch ums Leben kommen können. Ich hatte vorher ja schon Angst, aber in diesem Moment war ich mir wirklich ziemlich sicher, dass ich jetzt sterben werde und dass ich so dämlich bin und in meinen eigenen Tod fahre.

Teil 1 der Strecke
Zunächst fuhren wir auf 4700 Meter Höhe, bekamen unsere Fahrräder und die Mountainbike-Ausrüstung, konnten auf einer Art Parkplatz einige Proberunde drehen und es wurden einige Gruppenfotos gemacht. Kaum dass ich auf dem Fahrrad saß, war die Angst auch verschwunden und nur noch gesunde Vorsicht vorhanden. Das Gefährliche an der Death Road mit dem Fahrrad ist man selbst. Man muss sich zu 100% auf das konzentrieren, was man gerade macht, vorsichtig und langsam fahren und dann ist das auch machbar.
... und Teil 2.



Der erste Teil der Strecke ist noch asphaltiert und hatte sogar einige Leitplanken, sodass man auf einer relativ sicheren Strecke ein gutes Gefühl für das Fahrrad und das Abwärtsfahren bekommen kann. Bei einer der Pausen alle zehn bis fünfzehn Minuten zeigten uns unsere Guides jedoch einen Bus, der 2006 hier von der Straße abgekommen ist, mitsamt den Passagieren in die Schlucht gestürzt ist und nach wie vor nicht geborgen werden konnte. Er sah aus wie ein Spielzeugbus ... da musste ich schwer schlucken. Auch die vielen Kreuze am Straßenrand tragen dazu bei, dass man immer genau weiß, wo man gerade ist und nicht übermütig wird.
Dann ging es auf Teil 2 der Strecke, die eigentliche Death Road, die nicht asphaltiert ist und bei der die Beschreibung "Schotterweg" noch untertrieben ist. Es ist die einzige Straße Boliviens, in der Linksverkehr herrscht, was für uns bedeutet hat, dass wir direkt neben dem Abgrund fahren mussten, der mehrere hundert Meter steil abfällt und das natürlich ohne Leitplanken. Da darf man nicht einmal hinschauen.
Unten angekommen.
Landschaftlich ist diese Strecke aber einzigartig. Man überwindet in knapp 3 Stunden mehr als 3000 Höhenmeter und durchquert dabei fast alle Klimazonen Südamerikas, angefangen bei dem kalten, windigen Klima eines Hochgebirges, später Nebelregenwald und man kommt schließlich im tropischen Regenwald raus. Mit fast jedem Höhenmeter, den man verliert, wird das Klima heißer und stickiger.
Wir sind durch Bäche und einmal auch durch einen Wasserfall gefahren und je näher man dem tropischen Regenwald kommt, desto grüner wird alles. Aber so viele verschiedenen Grüntöne!
Es ist traumhaft und das Gefühl, unten anzukommen, unbeschreiblich.


Dabei hatte ich später sogar noch Probleme bekommen, weil ich nun einmal sehr kleine Hände habe und nach einer gewissen Zeit die Bremsen nicht mehr richtig umklammern konnte. Und trotzdem unten anzukommen war wunderschön. :)
Dort aßen wir Mittag, duschten und Steffen und ich wagten uns anschließend ein wenig tiefer in den Regenwald hinein. Aber nicht zu tief, wir hatten die Erfahrung von der Isla de la luna schließlich noch zu gut im Gedächtnis!




Am späten Nachmittag fuhren wir dann zurück nach La Paz, aber eine andere Straße. Denn mittlerweile gibt es eine Alternative zur Death Road, die allerdings ein wenig länger ist, weshalb viele Bolivianer sich trotz der Gefahr für die kürzere Death Road entscheiden, um Benzin zu sparen. Ungefähr alle zwei Wochen ereignet sich dort ein tödlicher Unfall mit teils mehreren Toten.
Im Nachhinein betrachtet war es für mich zwar eine wunderschöne und sehr intensive Erfahrung und ohne Zweifel der Höhepunkt der Reise, dennoch kommt es mir irgendwie makaber vor, eine solche Strecke als Abenteuererlebnis für Touristen anzubieten. Und ich weiß auch nicht, ob man dadurch Respekt gegenüber den Bolivianern erweist, die nun oftmals keine Alternative sehen, als diese Straße zu benutzen, wohlwissend, dass sie dabei ums Leben kommen können. Oder gegenüber den tausenden von Menschen, die auf dieser Straße ihr Leben gelassen haben und deren Körper nie geborgen wurden, weil die Schluchten für Menschen einfach unzugänglich sind.
 Die Death Road war eine spontane Entscheidung und nicht so geplant, weshalb ich mich im Voraus nicht so informiert habe wie ich es später nachgeholt habe. Wenn ich es getan hätte, mit den Sachen, die ich jetzt weiß, dann weiß ich nicht, ob ich trotzdem mit dem Fahrrad dort runter gefahren wäre. Denn so wunderschön und unvergesslich es für mich auch war, ich bin und bleibe zwiegespalten.







 


















Tag 9
Am Morgen sind wir in La Paz aufgebrochen, da es keine Nachtbusse nach Arequipa gibt, weil die Grenze schon sechs Uhr abends zu macht. Die zwölfstündige Fahrt war reichlich langweilig und ereignislos, wenn man von der ersten Inca Kola in Peru mal absieht, die, nach einwöchiger Abstinenz, ein Genuss war!
Wenige Kilometer vor Arequipa passierte dann jedoch etwas, aus dem ich immer noch nicht ganz schlau geworden bin. Der Bus wurde angehalten und mehrere Zollbeamten stiegen ein. Sie sprachen eine Frau an, die daraufhin ganz hysterisch wurde. Ihr Mann, Komplize, was auch immer, mischte sich ein und wurde gewalttätig, ging auf die Zollbeamten los. Sie verließen alle den Bus und was dann passierte, weiß ich nicht genau, sie meinten, dass die beiden wohl Steine auf die Beamten geworfen hätte und der Mann geflüchtet wäre. Die Frau ist dann wieder in den Bus zugestiegen, der dann weiterfuhr. Beim Aussteigen hat sie jedoch ganz panisch einen Rucksack gesucht, den sie unter einem anderen Sitz versteckt hatte. Meine Vermutung und die aller Mitreisenden war, dass sie Drogen geschmuggelt haben und von jemandem verpfiffen wurden. Warum die Zollbeamten sie dann aber nicht verhaftet haben, warum sie weg waren und wohin der Mann verschwunden ist, was mit ihm passiert ist, beantwortet das dennoch nicht.
Willkommen zurück in Peru.

Vier Tage bin ich nach dieser großartigen Reise in Arequipa geblieben, dann sind wir weiter gefahren. Fortsetzung folgt...

























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