Sonntagnachmittag und mir ist gerade ein bisschen langweilig. Eigentlich sollte ich aufräumen, weil am 01.09. Besuch aus Deutschland kommt, aber das mach ich nach wie vor lieber morgen. Und dieser Blog eignet sich wirklich hervorragend dafür, mich vor irgendetwas zu drücken oder aus der Langeweile zu retten.
Und ich wollte ja eh noch von den Tauben erzählen.
Die gibts hier nämlich auch, leben am Haus und fühlen sich da auch wohl, was sie durch ein penetrantes Gurr-Konzert ausdrücken. Noch lustiger ist es aber, wenn sie fliegen. Dann passierts nämlich immer wieder mal, dass sie auf das Fenster im Badezimmer knallen. Das kracht dann ganz schön, entweder zucke ich zusammen oder ich denke, dass jemand an der Tür geklopft hat, weil es sich irgendwie ähnlich anhört. Und dann freu ich mich, juhu, Besuch, und dann warens wieder nur die blöden Tauben.
Der Papagei kann übrigens auch ganz schön nerven, die Hunde bellen ebenfalls die ganze Zeit, und das sind nur die Tiere. :P
Arequipa ist laut, staubig und lebendig. Mit dem Combi ins Zentrum zu fahren ist jedes Mal ein Abenteuer und ich denke mir auch jedes Mal, hier passt doch nie im Leben noch einer rein? Aber irgendwie klappts doch immer. Die Peruaner setzen nicht nur beim Straßenverkehr die physikalischen Gesetze außer Kraft, so viel ist sicher.
Bald gibts auch mehr Fotos von der Stadt, aber ich will mich lieber ein bisschen besser auskennen, bevor ich meine Kamera mitnehme.
Wir waren gestern Nachmittag in der Innenstadt, haben zunächst ein Ladegerät (sehr schwieriges Unterfangen, denn ein Laden, der Handys verkauft, verkauft schließlich auch nur Handys und keine Ladegeräte für Handys, wo kämen wir da hin?) und später ein Geschäft gesucht, das angeblich gar nicht so weit weg sein sollte. Also sind wir los und gelaufen und gelaufen und irgendwie hat sich das Straßenbild immer mehr verändert und wir haben uns zunehmend unwohler gefühlt. Also haben wir uns das nächste seriöse Taxi geschnappt und nichts wie weg (das Geschäft war dann übrigens ganz wo anders). Jetzt wissen wir zumindest, wo wir uns nicht mehr aufhalten wollen. Obwohl wir, jedes Mal, wenn wir jemanden kennen lernen und ihm sagen, in welchem Teil Arequipas wir leben, auch zu hören bekommen, dass es gefährlich ist und wir vorsichtig sein sollen. Aber ich fühle mich hier wohl. Es ist nicht so westlich wie im Zentrum und natürlich muss man aufpassen, aber das sollte man ohnehin, und von den tutoras bekommen wir auch viele hilfreiche Tipps, welche Ecken man wirklich meiden muss.
Aber apropos Taxis: Es wird immer empfohlen, nur die offiziellen zu nehmen, das ist hier Turismo Arequipa und ein Mitarbeiter der Aldea hat uns noch ein anderes empfohlen. Aber die anderen Taxis kopieren die Schilder von Turismo Arequipa ganz stark, sie übernehmen das Aussehen komplett, da steht dann nur ein anderer Name, das ist auch etwas, auf das man achten muss.
Dann waren wir auch gestern Abend in der Innenstadt. Eigentlich waren wir mit einem Bekannten verabredet, der aber auch innerhalb der hora peruana nicht auftauchte und dessen Handynummer wir nicht hatten. Durch einen Zufall sind wir dann ins Gespräch mit drei jungen Peruanern gekommen und mit ihnen schließlich in eine Disco gefahren. Es wurde ein richtig, richtig schöner Abend, wir haben uns auf Anhieb super verstanden, haben den dreien "Deine Mudda"-Sprüche beigebracht und umgedreht neue Schimpfwörter gelernt, zum ersten Mal Pisco getrunken und ein wenig Stümper-Salsa und Pussy-Reggaetón getanzt, was aber super viel Spaß macht, weil die Disco-Musik hier richtig klasse und vor allem unglaublich gut tanzbar ist, ich seh es kommen, in einem Jahr höre ich nur noch lateinamerikanische Musik. An meinem Hüftschwung muss ich allerdings noch ein bisschen arbeiten, der wäre noch ein wenig zu deutsch :D, und für richtigen Reggaetón bin ich wahrscheinlich (noch :P) einfach zu prüde, aber das wird alles. Nächste Woche wollen wir uns dann vielleicht langsam um einen Salsa-Kurs kümmern.
Das Schönste am Abend war für mich aber, dass ich die Männer irgendwann wirklich verstanden habe und wir so auch viel mehr lachen konnten, weil ich nicht ständig nachfragen musste, was das eigentlich heißt, sondern nur noch gelegentlich. :D
Nächste Woche nehmen wir dann auch höchstwahrscheinlich unser kleines Projekt in Angriff. Nachdem uns aufgefallen ist, dass viele der Kinder kaum oder gar nicht lesen und schreiben können, haben wir lange darüber geredet und wollen jetzt etwas dagegen machen. Wir möchten einige Bücher kaufen, darunter Harry Potter :), um das Interesse fürs Lesen zu fördern, viel vorlesen und dann vor allem auch üben, üben, üben, mit einer Lektüre, die wahrscheinlich viel mehr Spaß macht als Schulbücher. Wir haben mit einigen der Jungs über unsere Idee gesprochen, die waren gleich total begeistert, die tutoras genauso.
Entonces vamos!
(Das versprochene Zimmerfoto. Die Ordnung ist eigentlich peinlich dafür, dass ich seit Mittwoch hier wohne, aber so fühle ich mich gleich wie zu Hause. Und sind die Gardinen nicht wunderschön?)
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