Donnerstag, 18. August 2011

Endlich da

So, jetzt sitze - oder liege vielmehr - ich also hier, esse die leckersten Mandarinen und Bananen, die es gibt, trinke Inka-Kola, quatsche ein wenig mit Ramona und weiß gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll. Am besten der Reihe nach. :)
Noch am Flughafen ist mir eingefallen, dass ich meinen Impfpass zu Hause vergessen habe. Für Peru direkt brauch ich ihn nicht, ändern konnte ich es eh nicht mehr, also bringt es auch nichts, sich verrückt zu machen, von daher, los gehts.
Der Flug von München nach Sao Paulo ging ziemlich schnell vorbei, da ich die meiste Zeit geschlafen habe, wenn auch nicht sonderlich gut. Wir waren 50 Minuten zu früh da, hätten unseren Flug also eigentlich ohne Probleme gekriegt. Eigentlich.
Unseren Schalter zum Einchecken hatten wir schnell gefunden und stellten uns an, zu diesem Zeitpunkt waren wir zu dritt, weil eine weitere junge Frau sich uns angeschlossen hat. Wir wollten also brav abwarten, bis wir an der Reihe sind. Die anderen aber offensichtlich nicht, es hat sich immer wieder jemand ganz geschickt vorgedrängelt und die Zeiger der Uhr rückten immer näher an 06.20. Einer der Angestellten ging dann plötzlich weg und stellte ein Schild auf den Schalter, dass er später wieder komme. Von der zweiten hieß es dann, hier wird jetzt für den Flug nach Santiago eingecheckt.
Hmm, toll. Und was ist mit Lima?
Kurze Zeit später - wir waren mittlerweile schon 6 Leute in unserer kleinen Gruppe - kam eine Frau auf uns zu und fragte, ob wir Lufthansa-Passagiere wären. Ja, sind wir, also erklärte sie uns, es gibt einige Probleme mit dem Flug, das Flugzeug ist noch nicht da, wir sollten einfach ein bisschen warten. Immerhin hat sie uns die Tickets gegeben.
Gewartet haben wir dann auch, ziemlich lange. Dafür haben wir ein Frühstück umsonst bekommen. :)
Um alle Informationen mussten wir uns selbst kümmern, da keine Durchsage o.ä. kamen. Immer mehr Zeit verging, schließlich stand an der Abflugtafel die Zeit 09.20. Denkste. Als wir nachfragten, erklärten sie uns, dass das Flugzeug gerade ankäme, "esta llegando", der Abflug sich aber weiter verzögern würde.
Okay, ich fands mittlerweile ziemlich lustig, zumal wir so wirklich nette Menschen kennen lernten.
Und dann ging plötzlich alles ganz schnell, auf einmal hieß es Einsteigen und dann flogen wir schon.
An dieser Stelle möchte ich übrigens noch etwas los werden. Alles, was ich hier erzähle, sind nur meine persönlichen Erlebnisse, die ich selbst nicht verallgemeinern möchte und das auch nicht von anderen will. Für mich waren die Ereignisse in Sao Paulo ziemlich chaotisch und anders organisiert als ich es von Deutschland kenne, aber das heißt noch lange nicht, dass es überall in Brasilien zugeht oder dass es schlecht ist. Es war einfach gelassen und im Endeffekt hat doch alles noch geklappt. Solche Klischees und Vorurteile, wie man sie von Lateinamerika hat, möchte ich nicht bestätigen, weshalb das wirklich alles subjektiv geschrieben ist und ich würde mir von euch wünschen, dass ihr es auch dementsprechend wahrnehmt ...

So, dann saßen wir also im Flug nach Lima. Ich saß mit ein paar netten Peruanern in einer Reihe, wir haben uns sehr gut unterhalten. Am Anfang war es bei mir immer nur "Si, si, bueno" und dabei schön lächeln, auch wenn ich nichts verstanden habe. Je länger wir uns unterhalten haben, desto besser wurde es auch und gegen Ende haben wir eine interessante Diskussion über Hitler, Rassismus und Kulturen geführt.
Außerdem wurde ich auf diesem Flug bereits das erste Mal nach einem Date sowie meiner Handynummer gefragt (und das mehrfach) und habe meine erste Inka-Kola getrunken. Das gelbe Zeug ist furchtbar süß und künstlich, aber irgendwie schmeckt es mir doch richtig gut.
Die Zeit ging auch hier wieder sehr schnell rum und schon waren wir in Lima und wurden von zwei Freiwilligen abgeholt. Wir fuhren mit dem Taxi zum Busbahnhof, was schon mal ein Erlebnis war. Zum einen fand ich es toll, wie gut gelaunt der Taxifahrer war - er hat viel geredet, gelacht und sogar gesungen. Zum anderen habe ich den Verkehr dann gleich bei Ankunft live erleben dürfen. Lima ist ein bisschen schlimmer als Arequipa, aber viel nimmt es sich nicht. Es ist einfach lebensgefährlich. Regeln? Neeeee, hier wird gefahren, wer zuerst bremst, hat verloren, begleitet von einem Hupkonzert der Extraklasse. Es wundert mich sehr, dass es hier keine tausenden Verkehrstoten täglich gibt. Irgendwie verstehe ich das nicht ganz.
Beim Busbahnhof ließen wir dann unser Gepäck zurück und machten uns auf den Weg in die Stadt. Eindrücke über Eindrücke, ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wir waren essen - eine der Freiwilligen war auch Veganerin, weshalb das für mich da ganz einfach war - und auf der Plaza de Armas. Besonders schön war sie nicht, aber das ist Lima im Allgemeinen nicht. Unüberschaubar, riesig, kalt, nass, neblig und hässlich, aber faszinierend und interessant. Ich würde jedoch niemals dort leben wollen, ich würde mich einfach erschlagen fühlen.
Anschließend waren wir noch kurz auf einem Basar und stiegen in einen der Stadtbusse, um noch rechtzeitig am Busbahnhof zu sein. In diese Busse hab ich mich dann auch gleich verliebt. Haltestellen oder gar Fahrpläne gibt es hier nämlich nicht, man winkt einfach oder schlängelt sich zwischen den Autos durch, wenn der Bus gerade an einer Ampel steht, springt einfach rein, zahlt umgerechnet nicht mehr als 20 ct für eine beliebig lange Fahrt, fürchtet wegen des Verkehrs und des Alters der Busse um sein Leben, und springt schließlich einfach wieder raus, wenn man am Ziel angekommen ist. Macht super viel Spaß und ich will nur noch mit den Dingern fahren. :D
Dafür sind die Reisebusse aber mein persönlicher Horror geworden. Zwar bequemer als die Flugzeuge, aber nach fünf Stunden war mir so schlecht, dass ich glaubte, es keine Minute mehr aushalten zu können. Musste ich aber, weil wir insgesamt 17 Stunden ohne Pause unterwegs waren. Schlafen konnte ich nicht, am Tag dann die Landschaft genießen allerdings auch nicht, weil sie zwar wunderschön, aber auch schwindelerregend war, was in diesem Zustand definitiv das Falsche war.
Endlich in Arequipa angekommen, wurden wir von Nele und Alina, unseren Vorgängerinnen, mit dem gelben Bully abgeholt. An sich ein wunderbar lustiges Fahrzeug, aber nicht, wenn einem schlecht ist. Na gut, noch ein bisschen durchhalten und dann hinlegen, sich selbst bemitleiden, die Welt hassen und endlich schlafen, dachte ich mir. Ha.
In der Aldea anzukommen war trotzdem toll, es gefällt mir hier sehr gut.
Unser Haus ist wunderschön (aber mit furchtbar hässlichen Vorhängen), wir haben eine Dachterasse und eine fantastische Sicht auf den Misti, den Pichu Pichu und den Chachani. Übrigens gefällt mir der Chachani um einiges besser als der Misti ...

Die Mitarbeiter sind super herzlich und lieb, wir wurden gleich mit Umarmungen und Küsschen auf die Wange empfangen (woran ich mich aber noch gewöhnen muss). Und dann die Kinder ... süüüüß. :) Ebenfalls sehr offen, haben uns auch gleich umarmt und geküsst, eine der Kleinen hat sich gleich an mich dran gehängt und wollte mich nicht mehr loslassen. Namen habe ich mir noch gar keine merken können - und viele nicht einmal verstanden, weils so undeutlich gesprochen war - aber das kommt alles sicher noch.
Tiere gibts hier auch, drei super süße kleine Kätzchen, die noch auf die Hand passen, drei Welpen und ein kleines Lamm, und noch andere, aber das find ich am tollsten. :D
Nach diesem ersten Kennenlernen bin ich dann aber wirklich gleich ins Bett gefallen und sofort eingeschlafen, es war auch verdammt nötig und heute gehts mir schon wieder gut. Wir wollen heute ins Centro, worauf ich mich sehr freue, das Wetter ist fantastisch und ich bin gespannt, was der Tag heute so bringt.
Ramona und ich teilen uns übrigens im Moment noch ein Zimmer, aber ab nächster Woche hat jede von uns ihr eigenes. Dann gibts bestimmt auch bald Fotos von der Aldea, von unserem Haus und von Arequipa, aber heute erst mal nur wenige von der Reise (das Hochladen dauert nämlich auch ewig) :)



 Auf dem Flug von Sao Paulo nach Lima, das ist der Titicaca-See. Überall Berge und dann auf einmal das. Wo kommt das Meer denn jetzt her? Unvorstellbar groß.
 Inka-Kola im Flugzeug mit solchen Bananenchips, die ich aber nicht ganz so lecker fand.
 Aus dem Flugzeug heraus, die peruanischen Anden.
Ramona und ich auf der Plaza de Armas in Lima, total erschöpft, aber endlich in Peru. :)


 Diese genialen Busse. :D
 San Cristobal in Lima und ein wenig vom Verkehr. Der geordnete Schein trügt.
 Auf der Busfahrt, mitten im Nirgendwo tauchte dieses Häuschen auf.
 Auch aus dem Bus, je näher Arequipa kam, desto besser wurde das Wetter.
 In der Nähe von Arequipa.

Der Chachani, das Erste, was ich von Arequipa gesehen habe.

1 Kommentar:

  1. Ich habe zwar die Uhrzeit vergessen, die ich mir merken sollte, zu der du losgefahren bist, aber ich habe trotzdem ganz doll an dich gedacht =)
    Als ich dein Zimmer gesehen hatte, war das erst einmal ein Schock! Es ist so leer, so ohne Serenas (Un)ordnung. Am liebsten will ich immer deine Tür zu machen, um das nicht mit ansehen zu müssen, aber dann ist es so dunkel im Flur.

    Meine Güte, du bist erst so wenige Tage weg und hast schon so viel Aufregendes erlebt!
    Ich werde jetzt mindestens einmal in der Woche (wie ich mich kenne wegen Langerweile täglich) schauen, ob ein neuer Eintrag von dir da ist.
    Wenn ich dich schon nicht neben meinem Zimmer haben kann, dann möchte ich wenigstens deine Worte haben!

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